SamOOsas aus Bo-Kaap

Die kap-malaiische Küche ist eine ganz besonders „lekkere“. Viel Gewürze, die man aus der asiatisch/ indischen Ecke kennt, aber bei weitem nicht so scharf, sondern eher würzig und absolut geschmackvoll. In Deutschland gibt es kaum Gelegenheit, im Restaurant kap-malaiisch zu essen, da muss man also selber ran. Und was liegt da näher, als sich beim Profi vor Ort ein paar Tipps für ein gelungenes Menü zu holen.

Gesagt, getan und einen Kochkursus in Bo-Kaap gebucht, das traditionellste aller Viertel in Kapstadt mit seinen Einwohnern, die seit Generationen hier wohnen. Selbst zu Apartheid-Zeiten lebte die Bevölkerung in Bo-Kaap und konnte sich trotz zahlreicher Repressalien ihre Traditionen bewahren. Und dazu gehört auch das kulinarische Erbe, das an die Kinder und Enkel weitergegeben wird. Und nicht zuletzt auch an interessierte Gäste wie uns.

Treffpunkt der Kochgruppe war gegenüber vom Bo-Kaap-Museum vor Rose Corner Café. Zayed empfing uns 9 Laien-Köche, stellte sich als Sohn von Zainie vor und führte uns zunächst einmal ins „Rose-Geschäft“, um uns die ersten Grundlagen der kap-malaiischen Küche zu erklären. Da fielen dann schon Begriffe wie Roties, Samoosas-Pastery und rote und grüne Soßen.

Grad um die Ecke bei Atlas-Trading, dem Gewürzhändler im Bo-Kaap und Kapstadt überhaupt, erklärte uns Zayed allerlei Gewürze, die die lokale Küche so ausmachen. Atlas-Trading kennen wir schon seit vielen Jahren und nehmen uns regelmäßig unsere Tütchen für zu Hause mit. Alle Gewürze werden hier angeliefert, gemahlen, gemixt, verpackt und verkauft. Und das alles zu einem Preis, bei dem man am liebsten den ganzen Laden leerkaufen würde – unschlagbar in Preis und Qualität.

Jetzt erzählte uns Zayed ein bisschen über die Historie Bo-Kaaps, über die Geschichte seiner Familie und der aktuellen Gentrifizierung des Viertels. Letzteres soll durch nationale Gesetzgebung eingedämmt werden und Bo-Kaap mit Hilfe der UNO zum Weltkulturerbe erhoben werden. Die Besonderheiten des Viertels werden in naher Zukunft nicht mehr zu entdecken sein, gelingt es nicht, der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken. Schon jetzt sind vor allem bauliche Fakten geschaffen, die das Gesicht Bo-Kaaps verändern werden.

Doch nun zum eigentlichen Erlebnis des Tages, nämlich dem Kochkursus bei Zayeds Mutter zu Hause. Zainie Misbach empfing uns in ihrem zu Hause, einem typischen Häuschen im Bo-Kaap, außen blau angestrichen, innen sehr häuslich eingerichtet mit einem Garten dahinter, den sich die Nachbarschaft teilt und wo jeder auf den anderen achtet. Das Haus ist nicht riesig, aber für uns neun Kochwütige, Zainie selbst, Zayed, seiner kleinen Tochter und zwei weiteren Unterstützerinnen passte es ganz gut. Zainie empfing uns sehr warmherzig, und nachdem wir unsere Schürzen angezogen hatten, ging es auch gleich an die Arbeit.

Auf dem Kochprogramm standen ein kap-malaiisches Geflügel-Curry, traditionelle Samoosas, Dhaltjies und Roties. So. Bei der Hälfte der Gerichte musste ich schon mal passen, weil ich davon noch nie etwas gehört hatte. Aber gut, deswegen macht man ja auch einen Kochkursus. Um zu lernen. Gott sei Dank fing es mit dem Curry an, davon hatte ich eine ungefähre Vorstellung. Eine Unmenge an Zwiebeln war schon geschnitten, die wurden angeschwitzt, um danach die Hühnchenteile anzubraten.  Und dann erst kommen die Gewürze dazu. Die haben es nun allerdings in sich. Mit viel Augenmaß, Teelöffeln als Maß aller Dinge, den richtigen Gewürzen und einem Schuß Mut zur Menge werden die Ingredienzen in einem Schüsselchen gemixt und dann über das angebratene Hühnchen sorgsamst verteilt. Wasser drauf, Kartoffeln rein, auf den Herd, kochen lassen, fertig. Gar nicht so schwierig. Das eigentliche Geheimnis liegt in den Gewürzen, wie bei den folgenden Gerichten auch. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich vertrauensvoll an Zainie wenden.

Zayed hatte uns bei Rose Corner schon etwas über Roties erzählt, flache runde Brote, deren Herstellung ziemlich aufwändig ist. Deswegen ist es auch keine Schande, sie im Laden zu kaufen statt sie selbst zuzubereiten. Heute nun durften wir einmal ran und „Brot backen“. Der Herstellung des Teigs ist in bisschen vergleichbar mit Blätterteig, schmeckt aber ganz anders. Der ausgerollte Teig der Roties wird auch mit Butter bestrichen und danach in Form gebracht, wie Mädchenlocken gezwirbelt, um danach im Kühlschrank zu ruhen. Anschließend wird er zu einem runden Teig ausgerollt und in einer Pfanne auf besondere Art ausgebacken.

In der Zwischenzeit bereiteten wir Dhaltjies zu, kleine runde, in Öl ausgebackene Teilchen, die neben Öl und Wasser auch Zwiebeln und Spinat enthalten. Diese kleinen Dinger sind Fresspulver! Einmal angefangen, kannst du damit nicht wieder aufhören. Erst recht nicht, wenn dazu auch noch die rote und die grüne Soße aus Rose Corner gereicht wird. Unglaublich!

Das Highlight waren für mich die Samoosas, mit zwei „oo“ wohlgemerkt, sonst wären es keine original kap-malaiischen Samoosas. Die Füllung der traditionellen Teigtaschen besteht aus Rinderhack und den entsprechenden Gewürzen in rauhen Mengen, Zwiebeln und frischem Koriander, den ich eigentlich nicht mag. Aber egal, da musste ich nun durch. Die Füllung aus diesen Zutaten wird dann vorsichtig in die bei Rose Corner gekauften Teigplatten gefüllt, wobei man die Platten gekonnt falten muss, um am Ende einen dreieckigen Samoosa zu zaubern, die für einiges Zeit ins heiße Öl muss, um gebacken zu werden. Auch hier: Fresspulver ohne Ende, man kann vor lauter Gewürzen und Genuss pur gar nicht aufhören zu naschen. Und der Koriander war plötzlich wie verschwunden, offenbar eine Folge des Frittierens.

Zainie und Zayed haben uns mit viel Geduld und Augenzwinkern so einiges gezeigt und beigebracht. Am Ende schmeckte alles hervorragend. In Zainies Wohnzimmer wurde der Tisch gedeckt und wir haben gemeinsam die Erfolge des Tages genießen können. Unsere Kochgruppe bestand aus Deutschen, Briten, Kanadiern, Schweden und Südafrikanern als Gastgebern. Kochen verbindet, bringt unterschiedliche Kulturen zusammen, die voneinander lernen und gemeinsam etwas erreichen können – auch wenn es in unserem Fall „nur“ ein tolles Essen war. Aber das war es auf jeden Fall. Danke an Zainie, ihre Familie und das ganze Team von Bo-Kaap-Cooking-Tour!

Eine Fortsetzung hatte das Ganze noch. Unsere Gastgeber in Bloubergstrand hatten uns und Nachbarn zu einem Braai eingeladen, in Deutschland würden wir Grillen sagen. Braai ist in Südafrika aber deutlich mehr, nicht nur von der Menge des Fleisches oder anderer Köstlichkeiten, sondern hier ist es eine eigene Philosophie. Und zu dieser Braai-Einladung hatten wir uns mutigerweise bereiterklärt, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und Samoosas zuzubereiten.  Am Ende hatten wir 34 Stück produziert, die fürs erste Mal gar nicht schlecht gelungen waren und unsere Versuchskaninchen haben lobende Worte gefunden. Jedenfalls waren sie sehr freundlich und wohlwollend mit ihrer Kritik. Nur einige wenige Samoosas blieben nach dem Essen über, ein ziemlich gutes Zeichen, dass sie doch gar nicht so schlecht gewesen sein dürften.

 


Ein Gedanke zu “SamOOsas aus Bo-Kaap

  1. Na dann wisst ihr ja schon was ihr uns zaubern werdet wenn ihr mal wieder in Bansin seid!!Sieht alles lekker aus!!😂😂😂Weiter einen schönen Urlaub!! LG und bis bald!!!🙋🏼‍♀️🦋🌞🍷

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