Auch wenn es heute wieder zurück nach Kapstadt ging, bleiben wir noch für ein, zwei Geschichten hier in PE, in Port Elizabeth. Nach langer Zeit, genau nach über sieben Jahren waren wir mal wieder im Kragga Kamma Game Park, 25 Autominuten von PE entfernt. Auf meiner Homepage habe ich den Park schon ziemlich ausführlich beschrieben. Deshalb gibt es hier vor allem viele Bilder von dem rund dreistündigen Ausflug in die geschützte Natur. Wieder mit dem eigenen Auto unterwegs konnten wir uns die Zeit entsprechend einteilen und so lange bei den Tieren verweilen, wie wir wollten. Oder auch mussten, wenn nämlich zum Beispiel andere Selbstfahrer vor uns anhielten, um Fotos – von den Tieren – zu machen oder wenn Tiere moderne Wegelagerei betrieben. Dazu gleich noch mehr.

Der Eintritt in den Park kostet 100 Rand pro Person und Tag, also im Moment gut 6 Euro. Und sofort bei der Einfahrt in den Park stand eine große Herde Giraffen neben unserem Auto. Tolle Tiere! Wie die sich mit ihren langen Hälsen und den langen Beinen bewegen ist schon erstaunlich und einzigartig. Die Tiere im Kragga Kamma kommen relativ nahe an die Autos heran, so dass man sie gut beobachten kann. Natürlich ist so ein Game Park nicht vergleichbar mit den großen Parks wie Krüger oder Addo Elephant. Uns reicht dieser kleine Ausflug zu den wilden Tieren aber aus. Wichtig ist, dass die Tiere hier ausreichend Platz haben, unter fachmännischer Beobachtung stehen und der Natur- und Tierschutz eine hohe Priorität hat. All das ist in Kragga Kamma gegeben. Hier wird sich intensiv um den Erhalt der Nashörner gekümmert, was man auch an der gerade geborenen kleinen Ella sehen kann. Die lief – in einiger Entfernung – mit ihrer Mutter an uns vorbei. Die Jagd auf Nashörner ist nach wie vor ein großes Problem in Afrika, selbst auf privaten Game Parks sind die Tiere vor Wilderern nicht sicher.
Zwischendurch laufen ganz verschiedene Arten von Gazellen über die Wiesen links und rechts der holperigen Straße; Impalas, Bontebok, Springbock oder auch Gnus haben wir gesehen. Auch Zebras und Warzenschweine sind zu sehen, auch mal ne Schildkröte und verschiedene Vogelarten. Ganz zu schweigen von der bezaubernden Landschaft. Besonders beeindruckend sind die Büffel mit ihren riesigen platten Hörnern, die sich über den Kopf legen. Wenn die so da stehen und ein Grasbüschel nach dem andern aus dem Boden „zupfen“ und verschlingen, sieht das sehr friedlich aus. Aber wehe, die kommen in Bewegung und werden auch noch ärgerlich. Dann kann das ziemlich gefährlich werden bei der Kraft und der Masse, die diese Tiere besitzen. Also in aller Ruhe vorbeifahren, Fotos machen und mit Respekt zurückblicken.
Mit viel Respekt endete dann auch unsere Rundtour. Vorher hatten wir den drei ukrainischen Löwen noch einen Besuch abgestattet. Die sind vom Kragga Kamma vor zwei Jahren aus der ukrainischen Gefangenschaft gerettet worden und haben hier im Park ein neues zu Hause gefunden.
Nach einer kleinen Stärkung im Park-Restaurant traten wir unseren Heimweg Richtung Park-Ausgang an und waren happy, kurz davor noch einmal auf Nashörner zu stoßen, einem Bullen mit zwei Kühen an seiner Seite. Allerdings täuschte die Ruhe, die die drei liegenden Tiere ausstrahlten. Denn der Bulle war ziemlich paarungsbereit, was seine Mädels irgendwie nicht wirklich waren. Was ihn natürlich auf die Palme brachte. Jeder Annäherungsversuch seinerseits scheiterte und sein Adrenalinpegel stieg spürbar. Wir standen mit unserem kleinen Figo keine 10 Meter vom Geschehen entfernt und bekamen leichtes Muffensausen. Also Rückwärtsgang einlegen und unauffällig den Rückzug antreten, was aus meiner Sicht mehr als Sinn machte, denn der Herr Bulle war offensichtlich sehr erpicht auf kleine, weiße Autos auf „seiner“ Straße. Blöd nur, dass der Fahrer in dem inzwischen hinter uns angekommenen Auto die Situation nicht checkte. Ich daher also im Rückwärtsgang immer weiter in Richtung seines Kühlergrills, bis er merkte, dass er besser auch den Rückzug antreten sollte. Er bekam es nun offenbar so mit der Angst zu tun, dass er nicht nur langsam zurücksetzte sondern bei nächster Gelegenheit auf der schmalen Straße wendete und die Einbahnstraße entgegengesetzt zurückfuhr.
Wir waren „mutiger“. Nachdem wir einige zig-Meter zurückgesetzt hatten, fuhr ich auf eine kleine Anhöhe an der Straßenseite, so dass wir das Geschehen aus der Ferne von einem Hügel aus beobachten konnten. Die Rhinos lagen und standen nach wie vor auf der Straße. Und mittlerweile fuhren noch zwei weitere Autos an uns vorbei in Richtung des Gehörnten und seiner Damen. Die Autos kamen aber auch nicht weiter als wir. Stillstand auf allen Seiten. Plötzlich kam aus der Ferne uns entgegensetzt ein weiteres Auto nun allerdings von hinten auf die Nashörner ganz langsam zu und parkte auf dem Grünstreifen direkt neben den Tieren. Ganz schön mutig, so dicht an die enthemmte Truppe ranzufahren, dachten wir noch, als es dann tatsächlich passierte. Was für ein Wahnsinn! Der Fahrer stieg aus dem Auto aus – was streng verboten ist – und machte offensichtlich seine Fotos. Wir konnten aufgrund der Entfernung keine Details erkennen, aber lebensmutig war das schon, jedenfalls für den durchschnittlichen Mitteleuropäer. Aber irgendwie reagierte der Bulle plötzlich anders als vorher und wir ahnten, dass es vielleicht doch kein wagemutiger Tourist, sondern eher jemand vom Park war der versuchte, zu deeskalieren, die Lage zu klären und die dreier-Truppe von der Straße wegzulocken. Und so war es dann auch. Die Tiere zogen sich auf den Rasen zurück, immer noch nur ca. 10 Meter vom der Straße entfernt, aber jedenfalls so, dass die Autos langsam an ihnen vorbeifahren konnten. Der Typ vom Park stieg wieder in sein Auto und kam uns auf unserem Hügel entgegengefahren. Beim Passieren sahen wir dann, dass der Typ eine junge Frau mit Walkie-Talkie war und offensichtlich Tricks und Kniffe kannte, wie sie ihre Rhinos in den Griff bekommen kann. Nachdem wir unsere Kinnladen wieder geschlossen hatten, fuhren wir von unserem Hügel Richtung der drei Mehrfachtonner und wagten kaum, unsere Handys für ein weiteres Foto zu zücken. Schnell vorbei an diesen fantastischen Tieren und weiter zum Ausgang des Parks.
Bei aller Offenheit und Zugänglichkeit von Parks dieser Art muss man sich dennoch immer im Klaren darüber sein, dass es sich in jedem Fall um wilde Tiere handelt. Respektvoller Umgang mit den Tieren und eine gehörige Portion Achtung vor diesen wundervollen Geschöpfen der Natur gehören bei einem Besuch der vielen kleinen und großen Parks immer dazu. Von bloßer Zurschaustellung von wilden Tieren in kleinen „Tierparks“ sollte man meines Erachtens einen großen Bogen machen zugunsten von gut geführten Games Parks, die sich ergänzend zur Hege und Pflege auch noch der Rettung und Aufzucht von bedrohten oder gefährdeten Tierarten wie den Nashörnern oder den geretteten Löwen aus der Ukraine kümmern. Es muss nicht immer Krüger sein, eine Nummer kleiner tuts am Ende auch, um einen winzigen Einblick in die Natur Afrikas zu bekommen.