An unserem letzten Tag in Port Elizabeth machten wir uns auf Entdeckungsreise ans Cape Recife. Gerade um die Ecke zwischen PE und Schoenmakerskop liegt dieses bezaubernde Naturreservat, an dessen Anfang eine Tierrettungsstation gebaut wurde. SANCCOB, Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds, ist eine Stiftung, die an verschiedenen Stellen im Land Stationen unterhält, deren Aufgabe die Rettung und der Erhalt von Seevögeln ist. So auch hier am Cape Recife in Port Elizabeth. Und im Wesentlichen findet man die klassisch zu schützenden Vögel, nämlich Pinguine. Zwar gibt es auch einige „normale“ Vertreter der fliegenden Zunft, aber hauptsächlich leben hier Pinguine. Sie werden aufgepäppelt und anschließend wieder in ihre normalen Lebensräume hier am Kap zurückgeführt. Einige von ihnen kamen allerdings so geschwächt hier an, dass sie in der freien Wildbahn keine Überlebenschancen hätten. Sie haben bei SANCCOB ein neues zu Hause gefunden und verbringen hier ihren Lebensabend. Unter ihnen ist auch ein blinder Pinguin, der aufgrund seiner Sehschwäche ziemlich tollpatschig – also noch mehr, als Pinguine das ohnehin sind – durch die Anlage stapfte. Dieses SANCCOB-Zentrum hält noch eine kleine Ausstellung bereit, die auch für schulische Zwecke genutzt wird.
Tiefer hinein in das Naturschutzgebiet führt eine Straße, die an einem Leuchtturm aus dem Jahre 1851 endet. Der 24 m hohe Leuchtturm warnt bis heute vor dem gefährlichen Thunderbolt Riff direkt vor dem Kap, dem schon viele Schiffe zum Opfer gefallen sind. So auch die britische HMS Thunderbolt, die Namensgeberin für das Riff ist und hier im Jahr 1847 unterging. Meinen 360-Grad Rundumblick in unmittelbarer Nähe des in Zebra-Farbe gestrichenen Leuchturms findet ihr hinter diesem Link.
Und dann begann der spannendste Teil dieses Ausflugs. Wie immer hatten wir spontan auf unsere Geocaching-App geschaut und einige Caches in diesem Revier gesehen. Zwei von denen waren aber besonders interessant, schlichtweg deshalb, weil sie vermeintlich auf dem Weg zurück zum Ausgang des Naturparks lagen. So ungefähr jedenfalls, wie wir feststellen mussten. Wir parkten unseren Figo in der Nähe des zu findenden Caches, der Zugang dorthin war allerdings mit einem geschlossenen Tor und einem Schild „No entry“ versehen. Kein Zugang von hier aus also. Deshalb folgten wir den Anweisungen aus der App und gingen einen anderen Weg in Richtung des Caches, der uns dann allerdings durch eine ziemlich gespenstische Landschaft führte. Natürlich haben wir beide Caches gefunden. Aber interessanter ist die Geschichte, die sich mit dieser Landschaft und den darin versteckten Häusern oder besser, den darin versteckten Ruinen ehemaliger Häuser beschäftigt.
Unter anderem hier in die wilde Landschaft des Cape Recifes baute man zu Beginn des 2. Weltkrieges so genannte Fortress Observation Posts (FOP), festungsartige Beobachtungsposten, von denen aus man die gesamte Küstenlandschaft des Kaps beobachten konnte. Drei dieser Anlagen gab es in der Region. Dieser FOP hier in Cape Recife trägt den Namen „Seahill“ und war komplett mit dem landschaftstypischen Buschwerk bedeckt, so dass man es nur schwer vom Meer oder aus der Luft erkennen konnte. Die äußere Form des Beobachtungsstandes war sehr der Natur nachempfunden und hatte runde Formen an der obersten Plattform, damit sie sich gut in die Landschaft einpasst. Die Mauern des Beobachtungsstandes hatten Seh- und Schießscharten, die allerdings nur für einen eventuellen Nahkampf vorgesehen waren. Von den Beobachtungsstellen aus sollten ankommende Schiffe, U-Boote oder Flugzeuge früh gesichtet werden.
Neben dem Beobachtungsturm gab es ein Reihe von Gebäuden drumherum, unter anderem ein Artillerie-Haus, eine Radarstation, Wohn-Unterkünfte für Frauen und Männer, eine Messe oder natürlich auch Toiletten. Und noch viel mehr. All diese Gebäude stehen heute leer, haben durchweg kein Dach mehr und verfallen beim Hinsehen. In vielen Räumen gab es künstlerische Aktivitäten, Graffitis oder einfach auch nur Schmierereien. Auf jeden Fall gespenstische Anblicke und gleichzeitig auch faszinierende Momente. Was mag sich an diesem Ort vor so vielen Jahren abgespielt haben? Eine besonders knifflige Situation soll es zu Kriegszeiten hier nicht gegeben haben. Man war im Fall der Fälle aber vor dem Feind gewappnet.
Heute zählt dieser Ort zu den „lost places“, zu den „vergessenen Orten“, was Geocacher natürlich in Versuchung bringt und mit der Suche nach dem Cache auch ein Stückchen die Allgemeinbildung erhöht. Ohne die Suche nach den Caches wären wir vermutlich nicht an diesen Platz gekommen und hätten gar nichts über diese ungewöhnlichen Ruinen inmitten eines Naturparks erfahren.