
Schon zu Hause in Hamburg auf der Couch stolperte ich beim Suchen nach einem Geo-Cache über den „Alten Zoo von Kapstadt“. Mmh, dachte ich, darüber hast Du ja noch nie etwas gehört: ein Zoo in Kapstadt – wie ungewöhnlich. Leben doch die Tiere, die wir so aus den Zoos kennen, hier Südafrika unter anderem in Game Parks wie dem Krüger National Park, dem Addo Elephant Park oder dem Kragga Kamma Game Park. Aber von einem Zoo hatten wir noch nie etwas gehört.





Auf einem Ausflug zur Kap-Halbinsel nach Kalk Bay kamen wir dann an diesem ungewöhnlichen Ort an, der sich als „lost place“ herausstellte, also einem Ort, der längst verlassen ist und sich selbst überlassen blieb. Tatsächlich gab es in Kapstadt direkt hinter der Universität ein kleinen privaten Zoo. Der wurde 1930 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und entstammte dem Erbe von Cecil Rhodes, einem der umstrittensten Politiker der Kolonialzeit. Rhodes war Brite und im Auftrag der Krone maßgeblich an der Kolonialisierung in Afrika beteiligt. Nordrhodesien, das heutige Sambia und Südrhodesien, das heutige Simbabwe, trugen noch lange seinen Namen in der Landesbezeichnung. In Südafrika besaß er mehrere Diamantenminen, woher auch sein persönlicher Reichtum stammte. Ab 1890 war er schließlich Premierminister der Kapkolonie, trat 1896 wegen eines politischen Skandals allerdings zurück. Während einige seinen Beitrag zur Entwicklung Südafrikas würdigen, betrachten andere ihn als Symbol für die Unterdrückung und Ungleichheit der Kolonialzeit. Nicht zuletzt der Kampf der Studenten der Universität von Kapstadt von 2015 unter dem Slogan #Rhodesmustfall zeugen von dem Zwiespalt zu seiner Person.





Und dieser Cecil Rhodes besaß zu seinen Lebzeiten einen privaten Zoo. Flächen hatte er genug, schließlich gehörten ihm das sogenannte Rhodes Estate, das Gelände der Universität, der Zoo und das Rhodes Memorial. Rhodes ließ ab 1893 hier exotische und einheimische Tierarten ansiedeln, darunter Löwen, Antilopen und Affen. Der Zoo war jedoch keine moderne zoologische Einrichtung, wie wir sie heute kennen, sondern vielmehr ein kleines Gehege, das dem Konzept der Tierschau des 19. Jahrhunderts entsprach.








Rhodes vermachte nach seinem Tod 1902 alle seine Besitztümer dem Staat, so auch den Zoo. 1930 entstand als Ersatz für ein früheres, recht kleines Gehege das neue Zuhause für die Löwen, die Rhodes 1896 zusammen mit einem Leoparden geschenkt bekam. Der Zugang zum Zoo war für alle frei und kostenlos, so hatte Rhodes es verfügt. Allerdings schloss der Zoo irgendwann Ende der 1970er, da sich die gesetzlichen Bedingungen für das Halten von Tieren verschärfte. Und der Apartheid-Regierung fehlten die Finanzen für den Betrieb. Damit war der Verfall des Geländes besiegelt.





Nun ist es also ein wahres Paradies für Fans von „lost places“. Die Natur hat sich das Areal schon ziemlich gut zurückerobert. Über einen kleinen Pfad gelangt man vom Parkplatz aus „in den Zoo“. Große Bäume spenden Schatten für eine kleine Erkundungspause. Die Wasserflächen für die Wasservögel sind mit Gras und Schilf überwuchert, die Gebäude am Rand mit Graffitis besprüht. Von den ausgetrockneten Wasserflächen aus geht der Weg über Treppen weiter nach oben Richtung Löwengehege, dem zentralen Punkt der Anlage. Mit dem hinter dem Zoo liegenden Devils Peak, einem Teil des Tafelbergmassivs, öffnet sich hier ein großartiges Bild. Das Gehege mit dem Löwenhaus trägt ebenfalls zahlreiche Graffitis und kündigt schon mal an, wie es im Inneren aussehen wird.







Geht man um das Gehege herum, gelangt man zu dessen Rückseite mit den Volieren, die zum Teil offen sind und einen Zugang zum Inneren des Hauses bieten. Gruselig ist das Ganze schon, denn wir wussten nicht, ob sich jemand dort aufhält, schläft oder was auch immer veranstaltet. Löwen waren ja nicht gerade zu erwarten, aber andere Tiere oder Menschen, die hier ihr vorübergehendes Zuhause aufgeschlagen haben schon. Wir fassten also all unseren Mut zusammen und schlüpften unter die eisernen Gitter, die in Hüfthöhe offen standen, in die Voliere. Nix passierte außer, dass nun der Weg in die Höhlen der Löwen frei war. Innen fanden wir mehrere einzelne Verschläge, in denen die Löwen hinter Gittern ihren Schlafplatz fanden. Heute sind auch diese Gitter offen, man kann sogar an zwei Stellen bis zum Außengelände durchs Haus gehen. Jeder Verschlag ist über und über mit Graffitis verziert – ein echter Platz für Fans von „lost places“.












Da ich diese Zeilen nach unserem Ausflug schreibe, ist die Auflösung klar: Uns geht es gut und niemand hat uns gefressen. Und nein, wir haben keinen Geo-Cache gefunden, trotz intensiver Suche war es am Ende so heiß, dass uns die Sonne zum Aufgeben gezwungen hat.