
Wenn einer eine Reise tut – dann muss er oder sie auch mal eine Pause machen. An deutschen Autobahnen fährt man allgemein auf kleine Rastplätze oder kehrt bei Tank-und-Rast an den überteuerten Tankstellen mit angeschlossenem, meist drittklassigem Bewirtungstempel mit einem Preis-Leistungsverhältnis der Extraklasse an. Hier in Südafrika heißt der angenehme und oftmals witzige Zwischenstopp Padstal oder Farmstall. Pad heißt auf Afrikaans die Straße, stal soviel wie Laden, Farmstall erklärt sich von selbst. Hier also kann man auf langer oder kurzer Reise eine Ruhepause einlegen und sich von den Strapazen der Straße entspannen. Aber warum sollte man das ausgerechnet an so einem Ort machen?
Ganz einfach: weil man hier neben den kleinen und großen menschlichen Bedürfnissen auch noch seinen Hunger und Durst stillen kann und das ganze meist in witziger Umgebung und persönlicher Atmosphäre. Denn die Padstals oder Farmstalls sind in der Regel von Farmern privat geführte Läden, die ihre Produkte hier anbieten. Verhungern und verdursten wird man jedenfalls nicht, wenn man in einen Farmstall einkehrt. Ganz typisch ist die regionale Küche, die in aller Regel Roosterkoek und deftige Gerichte bereithält. Roosterkoek ist ein traditionelles, südafrikanisches Brot, das in einem Ofen oder auf einem Grill gebacken wird. Übersetzen kann man es mit geröstetem Kuchen, ist aber eher mit einem sehr festen Weißbrot vergleichbar. Dazu gibt es von süß bis herzhaft allerlei Beilagen, wenn diese nicht ohnehin schon im Roosterkoek mit aufgebacken wird. Käse und Marmelade ist der Klassiker, Tomaten und Käse oder Hühnerfleisch oder Eier und Schinken oder was auch immer das Herz begehrt. Ein kleiner Salat oder Pommes ergänzen das Vergnügen.









Neben diesem Gebäck gibt es aber auch je nach Farmstall ein breites Angebot an Essen und Trinken, eher bodenständig als abgehoben. Rippchen mit den Händen zu essen gehört hier genau so zum guten Ton wie den Kaffee aus dem Henkeltopf zu trinken. Ergänzt wird das Angebot durch selbstgemachtes Allerlei wie Marmelade, Eingewecktes, Gebackenes, Kuchen und sonstigen Leckereien. Je nach Größe des Farmstalls laden Geschenkeläden, kleine Galerien und große Shops zum Stöbern ein. Man findet auch handgefertigte Sachen vom gehäkelten Topflappen bis hin zu Ledertaschen. Auch Gebrauchtes kann man erwerben oder auf alt Gemachtes. Da die Farmstalls alle sehr unterschiedlich und individuell sind, stelle ich euch hier ein paar der von uns besuchten vor.
Dassiesfontein
So etwas findet man auch in Südafrika nicht überall. Dassiesfontein ist was besonderes. Die Küche bietet, wir würden sagen, gut bürgerlich Küche nach Hausmanns oder -frauen Art. Roosterkoek sowieso und dann vom Schnitzel über Rippchen und Burger bis hin zu üppigem Schokoladenkuchen alles, was das Herz begehrt. Aber was Dassiesfontein so besonders macht, ist der Verkaufsbereich. Hier bekommt man wirklich alles und zwar direkt in der Overberg Region produziert: von der Gartenschere über Lampenschirme, Schuhe, Schlüsselanhänger, große Bilder und Statuen bis hin zu Pflanzen, luftigen Strandkleidern und Antikes. Sich während der Reise die Füße zu vertreten bekommt hier noch einmal eine ganz anderer Bedeutung. Bringt Zeit zum Stöbern mit!
Der Farmstall ist 1995 aufgebaut worden, nachdem die Farmer davor ihre Waren aus zwei Waggons heraus verkauft hatten. Einen Geocache gibt es hier an der N2 zwischen Botrivier und Caledon übrigens auch (GC23EV8). Den Namen trägt der Farmstall nach den putzigen kleinen Klippschliefern, die hier als Dassies bekannt sind.















Rolandal
Rolandal ist ein ganz typischer Farmstall am Rande der N2 in der Nähe von Swellendam. Grund für die kleine Pause war schlichter Hunger und Kaffeedurst. Beides wurde schnell gestillt, ein paar Fotos gemacht und dann weiter Richtung Osten ….





Algerynskraal
Einer der ersten Farmstalls, die wir in den 2010ern besuchten, war Algerynskraal, der auf dem Weg von Oudtshoorn nach Swellendam an der Route 62 in der Nähe von Ladismith liegt. Über eine Einfahrt von der ikonischen R62 erreicht man das Hauptgebäude und betritt einen kleinen Verkaufsraum, in dem man die typischen Dinge eines Farmstalls kaufen kann. Wir entdeckten damals hier zufällig die von uns lang gesuchten afrikanischen Statuen, die wir sonst nirgendwo fanden. weiter vom Verkaufsraum aus durch eine offene Tür gelangt man in den Speiseraum. Tatsächlich fühlt es sich an wie in längst vergangenen Zeiten bei Oma zu Hause am Esstisch. An den Wänden stehen alte Schränke gefüllt mit Porzellantellern, Kerzenständern auf Anrichten und selbst ein Klavier wartet auf seinen Meister. Nach dem kleinen Roosterkoek-Imbiss durchforsteten wir die weiteren Räume, in denen noch ganz viel an Selbstgemachtem aufs Mitnehmen wartete. Dieser Farmstall war wirklich eine echte Entdeckung in der Halbwüste Klein Karoo.










The Blue Crane Farmstall Heidelberg
Dies ist ein ganz klassischer Farmstall, an dem wir allerdings bisher immer vorbeigefahren sind, da kurz vorher ein anderer Farmstall unsere ganze Aufmerksamkeit forderte, der gleich folgende Skeersdal. In diesem Jahr nun der vorab fest ins Programm genommene Halt bei Blue Crane auf der Reise von Franschhoek nach Wilderness. Genau auf der Hälfte der Fahrzeit kurz vor Heidelberg – den Ort gibts hier wirklich – liegt dieser Rastplatz, der alles hat, was man auf der Durchreise braucht: einen Kaffee, einen Milchshake, verschiedene Roosterkoek, frisch gebratenes Rührei und alles zu einem guten Preis. Außerdem ging’s schnell noch auf die „Örtlichkeiten“ für Gents und Ladies und dann wieder los auf die Bahn. Noch zu erwähnen: hier gab es handgemachte Seife, die für und gegen alles gut ist – von Mückenstichen über Ölflecken und Flohbissen bis hin zu Fleckentfernung aus Kleidung. Ein wahres Wundermittel soll es sein – wir warten mal ab, ob sich die Wunder erfüllen. Jedenfalls ist sie jetzt im Familienbesitz und wartet auf ihren Einsatz.




















The Skeerhok Padstal
Skeerhok besuchten wir schon mehrfach. Auf humorvolle Weise wird man bereits bei der Einfahrt von der N2 kurz vor Heidelberg empfangen, der sich durch den gesamten Padstal durchzieht. Skeerhok ist eine Halle, in der früher die Schafe geschoren wurden. Nun ist es ein Farmstall mit den typischen Angeboten einer südafrikanischen Raststätte, natürlich mit variantenreichen Roosterkoek. Im GIFT-Shop, also im Geschenkeladen findet man alles, was man braucht und auch nicht braucht. Wir haben hier schon mal Kühlschrankmagneten für die Daheimgebliebenen erstanden. Eine alte Schlachterei rundet das Bild des Padstals ab. Bemerkenswert sind auch hier die Toiletten, die insbesondere Männer und solche, die es mal werden wollen, charmant einladen, hier einzukehren.










Thyme and Again Farmstall
Aus Plettenberg raus Richtung Osten kurz vor der Abbiegung nach Keurboomstrand befindet sich dieser Farmstall. Auch hier gibts die üblichen Dinge zu kaufen, eine Terrasse lädt zum Verweilen ein und für die Kids gibts einen spannenden Spielplatz zu erobern.


Bella de Karoo auf der Andrieskraal Farm
Bella ist anders. Als wir im vergangenen Jahr dort unsere Pause machten, waren wir die einzigen Gäste, die ganze Zeit über. Den Farmstall mit schlicht zu beschreiben, passt wohl am besten, zumindest was das Drumherum angeht. Das Angebot an Essen und Trinken und auch die sonstigen Dinge des alltäglichen Bedarfs ließen keine Wünsche offen, zumindest was den Kurzaufenthalt und eine wohlverdiente Pause ausmacht. Mit viel Liebe zum Detail in sehr einfachem Ambiente hat dieser Farmstall tatsächlich seinen eigenen Charme. Sitzplätze aus alten Autoreifen, Kaffeekanne mit gehäkeltem Warmhalte-Pulli, Aschenbecher auf dem Kindersitz, Liebesgrüße aus aller Welt an einer großen Tafel, Hühner und Kaninchen im Garten, und selbst die obligatorische Katze fehlte nicht. Und das ist es, was die Padstals ob groß oder klein an den Straßen Südafrikas ausmacht: Individualität, Persönlichkeit und Charme. Auch hier bei Bella waren alle sehr gastfreundlich, zumal wir bis zum Schluss die einzigen Gäste waren – mitten in der Kleinwüste zwischen Oudtshoorn und Calitzdorp. Die Andrieskraal-Farm, auf der sich Bella de Karoo befindet, ist eine der ältesten Farmen der Region, deren Gebäude bis auf die frühen Jahre um 1800 herum zurückgeht. Übernachten kann man hier übrigens auch – wenn man will. Oder muss.















Weskus Padstal
Im Blog-Eintrag zu unserer Reise nach Yzerfontein stand schon ein wenig über diesen Padstal zu lesen. Da wir lediglich zum Gin-Tasting kamen und die sonstigen Besonderheiten dieses Farmstalls nicht in Detail erkunden konnten, bleiben zunächst einmal nur die Erinnerung an das Tasting und die Eindrücke während des Durchlaufens durch die Anlage. Auf dem Weg an die West Coast lohnt sich definitiv ein Stop hier, denn auch dieser Farmstall bietet die typischen Kleinigkeiten für den Hunger zwischendurch. Aber sicher auch noch mehr, denn wir entdeckten aus der Ferne auch einen Pflanzenladen, einen Streichelzoo und ein Vogelgehege, einen Wellnessbereich und weitere Shops und Aktionen.



Karoo Saloon
Unser allererster! Das war am 10. Oktober 2013 auf dem Weg von Swellendam nach Mossel Bay. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp, um etwas zu Trinken und fanden auf dem Padstal neben den Gastgebern auch ein paar Tiere vor, die sich offensichtlich wohl fühlten. Leider ist der Padstal im Moment geschlossen und steht zum Verkauf. Wer also immer schon einmal einen Farmstall in Südafrika betreiben wollte, hat aktuell die Gelegenheit dazu und muss nur ein ordentliches Angebot auf den Tisch legen!








Am Ende gibt es so viele Padstals hier, dass man in jedem seine eigenen Entdeckungen machen kann. Diese hier sind von uns ganz persönlich bewertet worden und natürlich ist dies keine wie auch immer geartete, schon gar nicht bezahlte Werbung für die Farmstalls. Wir teilen hier unsere Erfahrungen und hoffen, euch einen kleinen Einblick in unsere Reisen durch Südafrika geben zu können.