
Eine Malerpalette hat weniger Farben als dieser Stadtteil Kapstadts. Vermutlich dies ist auch der Grund, warum Bo-Kaap in das Besuchsprogramm eines jeden Touristen gehört. Doch Bo-Kaap hat mehr zu bieten als nur die farbenfroh gestrichenen Häuser der Bewohner, die im wesentlichen muslimischer Religion sind. Zahlreiche Mosscheen prägen daher das Stadtbild, auch die älteste Moschee Südafrikas, die Auwal Moschee in der Dorp Street, deren Bau 1794 begann.
Das Viertel erreicht man mit dem PKW über die Buitengracht Street, von der aus man in die Wale Stree einbiegt und vermutlich verzweifelt nach einem Parkplatz Ausschau hält. Einfacher ist es daher, ein Stück die Wale Street hoch zu fahren und oberhalb des Ortes zum Beispiel in der steil ansteigenden Pentz Street zu parken. Von hier aus ist man schnell wieder zu Fuß im Zentrum von Bo-Kaap und sollte genügend Zeit mitbringen, um dem quirligem Treiben auf der Straße zuzuschauen.












Bei jedem Schritt kommt man in Versuchung, ein Foto zu machen, da die Farbenpracht der Häuser sehr faszinierend ist. Fotobegeisterte merken schnell, das es hier so manche Details gibt, die festgehalten werden wollen: Interessante Türen, schön bepflanzte Blumenkästen, individuell gestaltete Hausnummern, Torbögen mit Wandmalereien und Graffitis, witzige Treppenaufgänge. Am Ende des Tages sind schnell einige hundert Fotos auf dem Chip der Kamera gespeichert.
Das älteste Haus des Viertels befindet sich in der Wale Street Nr. 71. Es wurde 1768 von Jan de Waal gebaut, ist weitestgehend im Originalzustand erhalten und beherbergt heute das Bo-Kaap Museum. In den benachbarten kleinen Läden gibt es Waren des täglichen Bedarfs, Küchen bieten die typischen kap-malaiischen Gerichte wie Curry, Bobotie oder Biriyani an. Und wer Lust, hat kann hier sogar Kochen lernen – lest gern nach in meinem Blogbeitrag Samoosas aus Bo-Kaap. Ein bekannter Gewürzhändler befindet sich in der Wale Street 104, die Atlas Trading Co. Wer lediglich ein paar Gewürze kaufen möchte (ein Muss ist unter anderem das Leaf Masala -12 in one, ein Curry aus 12 verschiedenen Gewürzen) kann sogar direkt vor dem Laden parken. Aber Achtung! Parken nur auf Anweisung und nur für die Dauer des Einkaufs.
















Über die Buitengracht Street gelangt man an der Dorp Street vorbei zur Leuuwen Street, die parallel zur Wale Street verläuft. Hier sieht die farbenfrohe Welt schon ein bisschen verändert aus. An der Ecke Buitengracht/ Leuuwen Street steht das Dutch Manor Hotel von 1812, das man vielleicht schon auf der Stadtrundfahrt erblickt hat. An der Leuuwen Street liegen im Wesentlichen Wohnhäuser, die mal mehr und mal weniger in gutem Zustand gehalten sind. Hier merkt man, dass Bo-Kaap nicht nur ein Vorzeige-Quartier für Touristen ist, sondern tatsächlich die kap-malaiische Bevölkerung ihr zu Hause hat. Kinder spielen auf der Straße, ältere Menschen treffen sich vor den Häusern, frisch gewaschene Wäsche hängt auf den Balkonen – mindestens so bunt wie die Farben der Hauswände.












Am Ende der Leuuwen Street gelangt man zur bereits bekannten Pentz Street, in der das Auto abgestellt und der Rundgang durch Bo-Kaap erst einmal beendet ist. Oder vielleicht noch nicht ganz.
Wer rechtzeitig vor der Mittagsstunde in der Gegend ist, kann sich ein täglich wiederkehrendes Ereignis anschauen – und vor allem anhören. Ganz in der Nähe von Bo-Kaap an den Hängen des Signal Hill wird täglich um 12 Uhr die „noon gun“ gezündet, ein Kanonensignal, das absolut pünktlich Schlag 12 mit einer kleiner Zeremonie seit 1806 abgefeuert wird. Das Signal ist in der gesamten Stadt zu hören und gehört zu Kapstadt wie der Tafelberg, Company’s Garden oder Bo-Kaap selbst. Empfehlenswert ist es, spätestens gegen 11.45 Uhr am Tor am Ende des Military Road angekommen zu sein, um die Zermeonie in seiner vollen Länge zu erleben. Während und auch jetzt “nach“ der Corona-Zeit ist der Zugang auf das Gelände nicht möglich, man kann nur von außen zuhören. Die Military Road erreicht man von der Buitengracht Street und die Withford Street, kleine Schilder weisen den Weg zur „noon gun“.
🇿🇦 Aktuelles vom 02.04.2019: Bo-Kaap wird geschützt
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