Zeitz MOCAA & The Silo

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Ein zwingendes Ziel eines jeden Kapstadt-Besuch muss das 2018 eröffnete „Zeitz MOCAA“ und das „The Silo Hotel“ inmitten der Stadt sein. Von der V&A Waterfront aus kann man das ehemalige Getreidesilo bereits sehen und auf kurzem Weg erreichen. Vom Cape Wheel aus in Richtung Clock Tower, und schon steht man im Silo District vor dem aufregendsten Museum, dass Afrika zu bieten hat.

Man muss sich vorstellen, dass an der Stelle des heutigen Zeitz MOCAA bis vor wenigen Jahren das größte Getreidesilo Afrikas südlich der Sahara stand, mitten in Kapstadt, gebaut 1921. Getreide aus ganz Afrika wurde damals nach Kapstadt gebracht, im Getreidespeicher gelagert und anschließend per Schiff unter anderem nach Europa gebracht. Das letzte Schiff, die M.V. Wisdom, verließ 1985 mit Getreide aus dem Silo den Hafen von Kapstadt Richtung Europa; der Transport mit Stückgutfrachtern wurde zugunsten von Containertransporten aufgegeben, und 2001 war damit auch die Geschichte des Getreidesilos final geschrieben – vorerst. Das Silo verfiel zusehends und stand kurz vor dem Abriss.

Seit September 2017 erstrahlt „The Silo“ aber in neuem Glanz. Von außen ist bereits zu erahnen, dass dem britischen Architekten Thomas Heatherwick etwas Besonderes gelungen ist. Im Inneren ist man sich dann mehr als sicher, dass hier ein Gebäude zu neuem Leben erweckt wurde, das mit anderen Häusern der Welt problemlos mithalten kann. Architektur und Funktionalität gehen Hand in Hand miteinander. „Form follows Funktion“ in Perfektion, wobei der Architekt ganze Arbeit geleistet hat. 38 Millionen Dollar wurden dafür investiert.

Im neuen Getreidespeicher hat ein luxuriöses Hotel sein zu Hause gefunden, und zwar im ehemaligen Getreideheber-Turm mit seinen 57 m Höhe. In alter Funktion wurde hier das Getreide wie in einem Aufzug nach oben transportiert und in die 42 eng aneinander stehenden Silos verteilt. Die kleinen Fenster des alten Silo-Turms mussten dreidimensionalen Glaskonstruktionen weichen, die einen fantastischen Blick über Kapstadt ermöglichen. Das Hotel heißt passender Weise „The Silo Hotel“ und besitzt eine exklusive Bar und ein Restaurant sowie eine Dachterrasse.

Viel wichtiger und spannender ist der andere Teil des Silos, nämlich das Zeitz MOCAA – Museum für zeitgenössische Kunst Afrika (Museum of Contemporary Art Africa). Für einen Eintritt von 190 Rand (ca.  12 €/ Februar 2019) bekommt man nicht nur die Architektur des gesamten Hauses zu sehen, sondern vor allem die Ausstellungen rund um afrikanische Künste und Künstler. Seit vielen Jahren kauft und sammelt Jochen Zeitz, ehemaliger Manager, unter anderem frühere Chef von PUMA, afrikanische Kunst und stellt seine Sammlung dem Museum in einer Dauerausstellung zur Verfügung. 

Im Inneren dieses Teils des Gebäudes erinnert jeder Blick an die alten Funktionen. Das Atrium bilden die ersten drei Reihen an Röhren des Getreidesilos. Sie sind quer und längs aufgeschnitten, reichen vom Boden bis zur Decke und sind der Form eines Getreidekorns nachempfunden. Diese Silo-Röhren beinhalten auch die Aufzüge, eine Wendeltreppe oder enden mit einer Glasplatte sechs Etagen über dem Boden auf einer Aussichtsplattform. Der Blick von oben durch das Glas 30 Meter in die Tiefe ist nichts für schwache Nerven.

Neben der Dauerausstellung gibt es immer wieder wechselnde Ausstellungen in den oberen Etagen in insgesamt 80 Galerien. Selten gibt es so unterschiedliche Stilrichtungen moderner Kunst, die alle etwas vereint: nämlich die Farbigkeit des afrikanischen Kontinents. Selbst mit politischen Themen geht man hier ernst aber dennoch bunt und vielfältig um. Schwarz-weiß kommt selten zum Tragen. Oftmals ist gerade die Befassung mit den schwierigen Themen dieses Kontinents in den Kunstwerken geprägt von Farben und ganz oft auch von Humor.

Sich hier einige Stunden aufzuhalten ist in diesem besonderen Haus keine Herausforderung, ganz im Gegenteil. Man darf übrigens Fotos von allem und ohne Ende machen (einzige Einschränkung: kein Blitz). Aufgrund der wechselnden Ausstellungen gibt es bei jedem MOCAA-Besuch Neues zu entdecken, und  zwar auf 6.000 qm Ausstellungsfläche. Das komplette Gebäude umfasst insgesamt 9.500 qm.

Wer sich vorher oder hinterher stärken will oder muss, sollte im 6. Stock im Restaurant „Food“ einkehren. Das Restaurant wartet mit einer kleinen aber feinen Karte auf und öffnet einen sensationellen Blick über den Hafen und den Silo-District.