Nun also Stellenbosch

Nachdem das Durbanville Wine Valley weitestgehend von uns abgegrast wurde, stoßen wir nun in die unendlich viel größeren Weinregionen von Stellenbosch und Paarl vor. In den vergangenen Jahren probierten wir vor Ort schon die Weine (und das Essen) unter anderem von Muratie, Vergelegen, Diemersfontein oder Waterkloof. Jetzt sollten einige weitere dazukommen.

Gestartet sind wir bei Mulderbosch, von denen wir ab und an auch zu Hause ein Fläschchen Chenin Blanc oder Rosé aufmachen. Mulderbosch gehörte zu den ersten Weinen, die wir in Südafrika getrunken haben und nun endlich fahren wir an den Ort der Geburt dieser Weine. Die extra heruntergeladene Navi-App funktionierte bisher ganz zuverlässig, also blind der Dame im Smartphone gefolgt. Blöd nur, wenn man statt des Weingutes (wine estate) den Namen des Weinberges (vineyard) eingibt. Dann kommt man natürlich an der falschen Stelle raus und kann statt Weinprobe maximal die Weinlese mitmachen. Dafür ist es aber noch ein paar Tage zu früh, so dass wir mit einer Verspätung von knapp einer halben Stunde dann endlich beim Weingut Mulderbosch ankamen.

Wir waren nur wenigen Gästen, so dass sich der Sommelier – zunächst jedenfalls – auf uns konzentrieren konnte. Neben uns an der langen und in rot gehaltenen Theke saßen zwei ältere Damen und ließen einen Wein nach dem anderen kommen, und auch was Hochprozentigeres. Offenbar planten sie was Größeres. Der Einkauf der beiden wurde jedenfalls nach Kisten bemessen, nicht nach Flaschen. In einer Ecke kam eine kleine Familie mit zwei kleinen Kindern dazu. Die Kids hatten offensichtlich Vergnügen daran gefunden, laut schreiend durch den Gastraum zu rasen, der Vater wiederum ignorierte den Lärm seiner Kinder und machte in seinen kurzen Hosen und dem karierten Hemd mit kurzen Ärmeln den Eindruck, als wolle er die Hütte kaufen. Bei Weinproben sind die Weine eigentlich nachrangig. Am Interessantesten sind die Mitgäste, oder sagt man Mittrinker? Hier also auch!
Die Weine waren alles sehr gut, spannend vor allem die reinen Chenin Blancs, die jeweils von einem anderen Block stammen, damit unterschiedlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt waren und tatsächlich sehr unterschiedlich schmeckten. Einiges am Geschmack hat vermutlich auch der Weinmacher verzapft, die Grundlage für den Wein liegt aber in der Traube und ihrem Standort selbst. Der Weinmacher Adam ist übrigens ein guter Freund des Schwiegersohns unsere Gastgeber hier in Kapstadt – wie klein die Welt doch manchmal ist.  Für die Reise haben wir spontan zwei Flaschen Mulderbosch eingesteckt und stellten beim Rausgehen fest, dass mittlerweile das Haus gut gefüllt war, die Leute kamen zum Mittagessen ins Weingut und waren offensichtlich so zufrieden wie wir.

Das nächste Ziel in der Region hieß Spier, eines der auch in Deutschland bekannten Weingüter Südafrikas, nicht zuletzt, weil ein großer deutscher Weinhändler von hier einen Teil seiner Ware bezieht. Spier ist eines der kommerzielleren Güter, was sehr deutlich auf der Anlage zu spüren ist. Alles ist top-gepflegt, die Restaurants und die Räume für das Wine-Tasting sind bis hin zur Deko wunderbar gestaltet, die zahlreichen Häuser im kapholländischen Stil scheinen „in Schuss“ zu sein. Und daneben unterhält Spier noch einen separaten Hotel- und Konferenzbereich. Alle Gäste können mit der Bahn anreisen, denn schließlich hat das Weingut eine eigene Bahnhaltestelle direkt vor der Tür. Die Haltestelle heißt natürlich: Spier.
Das Wein-Tasting haben wir mit einer Käse-Wurst-Platte genossen. Die Weine waren sehr gut, ein Grund mehr, beim nächsten Weineinkauf zu Hause auch mal wieder in das Spier-Regal zu greifen.

Die Fahrt von Spier zum letzten Weingut des Tages verlief eigentlich ganz unkompliziert, nur dass das Navi mittlerweile ein Eigenleben entwickelte. Statt der großen Straßen schlug sie immer wieder kleine Querstraßen vor, die zwar durchgehend ohne Ampeln dafür aber als Stoppstraßen fungierten. Das merkt man natürlich erst, wenn man schon einen Großteil des Weges gefahren ist und einem der linke Fuß vom ständigen Kuppeln und Schalten schmerzte. Nach einer geplanten halben Stunde Fahrtzeit gelangten wir dann endlich zum Weingut Lourensford und ich zu der Erkenntnis, endlich die Offlinekarten von Google runterzuladen und zum Navigieren zu benutzen.
Lourensford ist sehr schön gelegen, hat einen modernen Weinkeller, in dem auch das Weintasting stattfindet und neben einem Restaurant und Cafe auch jede Menge Kunst zu bieten. Das Wein-Tasting bestand aus vier Weinen, die man frei wählen konnte. Alle Weine waren gut, mein vierter war ein Noble Late Harvest, was in Deutschland unter die Kategorie Dessertwein fällt. Auch sehr lecker, brauchte ich aber nicht kaufen, da mit mir niemand diese Art Wein trinkt – außer unser Nachbar, und für ihn und mich habe ich schon eine Flasche von Diemersdal im Gepäck und noch einiges zu Hause gelagert. Also wurde hier nichts gekauft, außer das Parkticket. Ja, richtig gelesen. Hier muss man für das Parken ein Ticket lösen. Das kostet zwar nach 60 Minuten nur 10 Rand für den ganzen Tag, das sind umgerechnet grad mal 0,60 €, macht aber insgesamt für alle Beteiligten einen zusätzlichen Aufwand. Außerdem muss man zügig das Gelände verlassen, da ansonsten das gelöste Ticket bei der Ausfahrt streikt, so wie bei uns. Also nochmal 10 Rand, dieses Mal direkt an den Security-Mann und nicht in den Ticket-Automaten gegeben. Und dann konnten wir rausfahren. Es wird bestimmt einen Grund für diese Ticketlösung geben. Mir erschließt sich das auf den ersten Blick nicht wirklich. Für das vermeintliche Problem gibt es bestimmt bessere Lösungen. Andere Weingüter bekommen das auch ohne Ticket geregelt.

Ein weiterer schöner Weintag geht zu Ende mit der Aussicht auf ein ebenso schönes Abendessen in einem von uns favorisierten Steakrestaurant. Und auch diesem Mal wurden wir nicht enttäuscht. Morgen gehts zur vorerst letzten Tour in die Weinberge, dann nach Paarl und Umgebung.


Ein Gedanke zu “Nun also Stellenbosch

Hinterlasse eine Antwort zu Jürgen Antworten abbrechen