Lekkere (W)Eindrücke vom Kap

Wer hätte vor wenigen Monaten bei einem unserer letzten Weingut-Besuche gedacht, dass es jetzt und heute praktisch unmöglich ist, nicht nur nach Südafrika zu reisen, sondern die ganze Welt schlichtweg zu Hause verharrt. Daher macht es um so mehr Freude, an die schöne Zeit zu Beginn dieses Jahres in der Kapregion zurückzudenken und ein paar Erinnerungen an unsere letzten Weinexperimente hier aufzuschreiben.
Natürlich bestand unsere Reise wie immer aus mehr als nur aus Besuchen auf Weingütern. Trotzdem können wir nicht verhehlen, dass es uns schon sehr viel Spaß macht, die sehr unterschiedlichen Wine Estates zu besuchen und die erst recht sehr unterschiedlichen Weine zu testen.

In der letzten Urlaubswoche Ende Februar waren wir noch einmal in und um Kapstadt herum unterwegs, unter anderem auf dem südlichsten Weingut der Durbanville Weinroute ‚De Grendel‘. Die Anreise dorthin ist wenig aufregend, man fährt auf einigermaßen belebten Straßen durch Industriegebiete, vorbei an einem großen Tanklager bis man dann vor der Einfahrt zum Weingut steht. Und wird dann sofort belohnt von Ruhe, weiten Feldern und einem befestigten Weg hoch zum Gutshaus und zum Restaurant. Plötzlich hat man einen selten guten Blick auf die gesamte Stadt und natürlich auf den Tafelberg. Absolut einmalig.
Auto abstellen, schnell ein paar Fotos machen und dann zum Wine Tasting. Das Restaurant war gut gefüllt, wir wurden dennoch freundlich empfangen und zum Tasting- Room geführt, auch von dort hatten wir einen tollen Blick auf den Tafelberg. Als Weinprobe wurde das Flagship-Tasting für 110 Rand und das Premium-Tasting für 90 Rand angeboten.  Da wir in der Regel nur Weißwein trinken (können), durften wir aus beiden Tastings die Weißen testen und mussten auch nicht den MCC probieren, also den „Sekt“, der in Südafrika „Methode Cap Classique“ heißt.

Die Weine waren durchgehend gut bis sehr gut. Überrascht waren wir vom Sauvignon Blanc und vom Viognier, die definitiv in unser Weinlager aufgenommen werden. Und sehr speziell ist Winifred, ein Blend aus Semillon, Viognier und Chardonnay, benannt nach einem der Vornamen der Eigentümerin von De Grendel, Sally Lady Graaff. Der Wein hat von uns die höchste Bewertung erhalten, leider konnten wir ihn nicht kaufen, ist nämlich nur den Loyalty Club Member vorbehalten. Naja, nächstes Mal. Zum Wein haben wir eine kleine Gourmet Selection bestellt, die wir zum Wein genossen haben.
Das Weingut ist nicht nur schön gelegen mit diesem Hammer-Blick auf Kapstadt, sondern auch sehr gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Ein Lunch oder Dinner auf der Terrasse oder der Veranda macht sicher auch Spaß.

An einem der letzten Tage unseres Urlaubs besuchten wir eines unserer Lieblingsweingüter, die organic farm von Waterkloof. Das futuristische Gebäude des Weingutes liegt auf der Spitze des Weinberges, zu dem eine gut befestigte Zufahrtsstraße führt. An deren Anfang steht ein Häuschen direkt hinter der Zugangskontrolle, in dem hauseigener Käse verkauft wird. Wenn nicht schon jetzt dann spätestens nach der Wein- und Käseprobe MUSS man dort einkehren, um etwas von den leckeren Milchprodukten zu kaufen.

Angekommen am Restaurant auf dem Berggipfel hat man einen fantastischen Blick über die False Bay. Im Inneren des Gebäudes setzt sich die besondere Architektur des Hauses fort.  Aber das ist nur ein Teil des Genusses, und zwar der fürs Auge. Zum Genuss für den Gaumen kann man auf zweierlei Art kommen. Entweder man nimmt einen Lunch oder ein Dinner im preisgekrönten Restaurant ein – und hat dort während des Essens wieder den wundervollen Blick über die Bay. Oder man genießt die tollen Weine bei einer Weinprobe mit einer Käse- und Wurstplatte in sehr angenehmer Atmosphäre. Und die Weine sind wirklich gut!  Vor allem haben es uns die Weißweine angetan. Es gibt verschiedene Linien, die in zwei Tastings angeboten werden, dem Premium Tasting und dem Standard Tasting. Einige der Weine können auch in Deutschland bestellt werden, wenngleich sie auch – wie in fast alle Weingütern – direkt vor Ort geordert werden können. Zumindest an die Versorgung auf der Reise durch Südafrika sollte man denken, denn auch auf der Terrasse beim Sonnenuntergang ist so ein Waterkloof-Wein richtig Klasse!

Einen letzten finalen Weingut-Besuch unternahmen wir in der Region Constantia. Bereits im letzten Jahr waren wir auf einer Weinprobe auf Beau Constantia am Constantianek. Dieses Mal stand ein Besuch in ‚Chefs Warehouse‘ an, den wir bereits lange Zeit vor der Reise verabredet hatten. Megan, die Weinmacherin von Beau Constantia trafen wir bei unseren Wein-Händlern auf der Weinmesse bei uns in Hamburg. Und zack – war der Termin gemacht. Ohne rechtzeitige Reservierung nämlich keine Chance bei ‚Chefs‘.

Eigentlich war geplant, mit unseren Wein-Dealern Barbara und Michael gemeinsam dort einzukehren, weil wir immer zur gleichen Zeit in Südafrika sind. Da wir aber wegen Load-Shedding und Terminchaos nicht zueinander kamen und Megan mitten in der Weinlese war, leistete uns Steven, der Chef des Tastingbereiches, während des gesamten Essens über 4 Stunden lang Gesellschaft. Gemeinsam haben wir 10 (!) – in Worten: zehn (!) Gänge genießen dürfen, immer begleitet von den tollen Weinen von Beau Constantia. Die Tischkellnerin erklärte jeden Gang im Detail und Steven präsentierte die begleitenden Weine. Neben dem Essen und den Weinen erfuhren wir viel über das Weingut selbst und die kleinen Geheimnisse rund um die Weinberge des Gutes. Ein einmaliges Erlebnis, das wir beim nächsten Besuch auf Einladung von Steven mit einem Aufstieg auf den Weinberg krönen wollen.

Nun bleiben erst einmal die Erinnerungen an die vielen (W)Eindrücke aus dem südafrikanischen Sommer 2020. Und natürlich der Genuss der zahlreichen Weine aus unserem Weinkeller,  die an die schöne Zeit am Kap erinnern. Ein besonderes Essens-Ereignis wartet allerdings noch auf uns, das wegen Corona noch nicht stattgefunden hat. Chefs Warehouse kommt nach Hamburg, und zwar als Restaurant in der Elbphilharmonie mit Blick zwar nicht auf den Atlantik, dafür aber auf unsere Elbe. Gespannt darf man sein, ob die südafrikanische Qualität der Produkte von dort hierher transferiert werden kann. Wir sind gespannt und voller Vorfreude!


Ein Gedanke zu “Lekkere (W)Eindrücke vom Kap

  1. Hallo Andreas,

    Das ist ha mal wieder ein toller Bericht. Waterkloof kenne ich schon…war auch begeistert. Die anderen Weingüter können wir hoffentlich im Februar 21 testen und genießen. Ich bin ab und zu in Hamburg. Vllt.klappt es ja mal mit einem Treffen.
    Lg Claudia

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