MOCAA und Cocktails

Nach 2019 stand in diesem Jahr wieder einmal Kapstadts noch immer neues und spektakuläres Museum im alten Silospeicher auf dem Plan. Also mit Vorfreude ab in die Stadt und rein ins Museum of Contemporary Art Africa im ehemaligen Getreidesilos, das neben dem Museum auch das Hotel The Silo beherbergt. Zum alten Silo selbst, zur Geschichte, zum Umbau und zur Ausstellung 2019 habe ich schon einiges aufgeschrieben, ich werde mich damit hier nicht lange aufhalten. Und wer mag, kann meinen Blogeintrag aus 2019 (noch mal) lesen, denn zum Haus selbst gibt es nicht viel Neues zu berichten. Es ist nach wie vor spektakulär zu sehen, wie die Architekten einen alten Kornspeicher mit ganz viel Kreativität zu neuem Leben erweckten – unglaublich gelungen.

Der Eintritt ins Museum kosten immer noch um die 12 Euro. Wir haben die digitalen Tickets vorher über ein Buchungsportal gekauft, sehr unkompliziert. Im Eingangsbereich ist man auch beim zweiten Besuch immer noch fasziniert von diesem Haus, kennt sich aber mittlerweile schon so gut aus, dass man am Kartenschalter vorbei sein Ticket bei einer späteren Kontrolle vorzeigt und anschließend in den Fahrstuhl schlüpft, um mit dem Spaß im 6. Stock zu beginnen. Hier befindet sich neben einem guten Restaurant auch der Außenbereich des Museums, der sich „Skulpturengarten“ nennt. Skulpturen gab es nicht zu sehen, dafür aber den großartigen Blick Richtung Tafelberg und Lions Hill. Der Fußboden besteht aus künstlerisch gestalteten dicken und – hoffentlich – bruchfesten Glasplatten. Denn andernfalls würde man schnell wieder im Erdgeschoss landen und der Museumsbesuch hätte sich erledigt. Vermutlich für immer. Ist schon ganz schön hoch hier oben und für Leute mit Höhenangst nicht so leicht zu ertragen, da man tatsächlich durch die Glasplatten bis nach unten schauen kann. Muss man aber nicht.

Im Museum gab es zu dieser Zeit drei Ausstellungen zu sehen. Drei weitere Ausstellungsbereiche befanden sich gerade im Aufbau neuer Installationen. Ein bisschen schade, war beim letzten Besuch doch das ganze Haus geöffnet. So blieb dann aber später noch Zeit für einen Lunch im Restaurant und einen kleinen Stadtbummel.

Die erste Ausstellung trägt den Titel „Two Together”, zwei zusammen. Verschiedene Künstler Afrikas präsentieren zu unterschiedlichen Themen jeweils ein Paar: entweder zwei Objekte oder mehrere Werke von zwei Künstler oder zwei Hauptthemen. Im Dialog, im Widerstreit oder ganz synchron. Ein paar der Objekte, Bilder und Video-Installationen findet ihr nun hier:

Die zweite Ausstellung widmet sich dem Massengenozid von 1994 in Ruanda. „Alfredo Jaar: The Rwanda Project“ ist eine Einzelausstellung des in Chile geborenen, in New York lebenden Künstlers Alfredo Jaar. Diese Ausstellung, die sich auf den Völkermord in Ruanda von 1994 bezieht, untersucht, wie man sich als Außenstehender mit Traumata auseinandersetzen kann. Sie dient aber auch als Kritik an der Gleichgültigkeit der Welt und dem Mangel an globaler Sichtbarkeit für die Gräueltaten in Ruanda zu dieser Zeit. Die Ausstellung verzichtet auf die Darstellung martialischer Bilder und führt einem dennoch vor Augen, was damals passiert ist bzw. eben gerade nicht passiert ist. Die Welt bis hin zur UNO hat weggeschaut, wie so häufig. Und wen man sich (in der Ausstellung) anschaut, was parallel in der Welt passierte und welche Themen die Medien statt der Situation in Ruanda auf die Titelseiten ihre Magazine setzten, beginnt man zu zweifeln. Ein paar Eindrücke der Ausstellung folgen hier:

Die dritte aktuell laufende Ausstellung trägt den Titel „ONLY SUN IN THE SKY KNOWS HOW I FEEL“ (Nur die Sonne am Himmel weiß, wie ich mich fühle). Sie ist eine große Ausstellung neuer Werke des südafrikanischen Künstlers Johannes Phokela, kuratiert und organisiert vom Zeitz MOCAA. Dieses Projekt markiert fast ein Jahrzehnt seit Phokelas letzter institutioneller Show und umfasst einen ausgewählten Überblick über sein Werk aus den letzten drei Jahrzehnten. Einige davon habe ich fotografiert und hier eingefügt. Seht selbst:

Damit der Beitrag nicht noch länger wird, verzichte ich hier mal zu erzählen, dass das anschließende Essen im Restaurant prima und zum Weiterempfehlen mehr als geeignet ist, mal ganz abgesehen vom Blick über den Hafen. Gleiches gilt auch für die Rooftop Bar im The Silo Hotel direkt nebenan und noch 5 Stockwerke höher. Da wollten wir ja auch noch hin.

Doch so einfach reingehen ist da nicht! Man muss vorher online eine Reservierung machen und schon mal vorab 100 Rand pro Person (ca. 6 EUR im Moment) anzahlen. Die bekommt man natürlich beim Verzehr in der Bar angerechnet. Am Portier und am Eingangstresen vorbei geht es dann mit eigener Zutrittskarte im Fahrstuhl aufs Dach des Hauses. Dieser Teil des Gebäudes wurde auf das alte Silo aufgesetzt, so daß es heutzutage eines der höchsten Gebäude im Distrikt ist. Der Blick von hier oben ist umwerfend, man hat einen sagenhaften Rundum-Blick Richtung Tafelberg, Waterfront und Hafen.

Dabei muss man ziemlichen Wind in Kauf nehmen und sich am besten in eine weniger zugige Ecke setzten, um seinen wohlverdienten Cocktail zu trinken. Dann kann man allerdings nix mehr von der Aussicht genießen, die man vorn an der windigen Ecke hatte. Dafür dürften dann aber die Cocktails entschädigen, dachten wir. Stimmt auch fast, denn optisch machten die ne Menge her. Geschmacklich jedoch ist noch Potenzial nach oben. Vielleicht lag es ja auch an der Höhenluft oder an unserem norddeutschen Gaumen. Die Bedienung war wie so oft hier sehr freundlich und hilfsbereit. Resümee: muss man mal gemacht und gesehen haben, für einen zweiten Besuch reicht es aktuell noch nicht. Die tollen Bilder der Stadt aber bleiben im Kopf und das Erlebnis, auf dem Dach eines DER Luxushotels in Kapstadt Hotelgästen beim Schwimmen im Dach-Swimmingpool zugesehen zu haben, dieses Erlebnis bleibt auch für immer auf unseren Augäpfeln eingebrannt. Vielleicht hat der Cocktail auch deswegen nur mäßig geschmeckt. Wir werden es nicht mehr herausfinden .

Mehr Informationen zu den Ausstellungen:

https://zeitzmocaa.museum/exhibitions-and-events/

2 Gedanken zu “MOCAA und Cocktails

  1. Mocca und Cocktails 🍹 👍🏼
    Hatte mir noch gemerkt, dass das alte Silo im Jahr 1921 (Geburtsjahr meiner Mutter 😊) gebaut wurde und es von einem Manger aus Deutschland, Jochen Zeitz, gekauft wurde und so was tolles daraus gemacht wurde.
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    Dein zweiter Ausstellungsbericht hat mich sehr ergriffen 😥, Du hast es auch sehr gut beschrieben mit dem Wegschauen. Leider, leider ist es noch immer so und stimmt einem traurig, was so alles schreckliches passiert 😰.
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    Freue mich auf Deinen nächsten Bericht aus dem
    neuen Domizil 🍷🍽️🍷

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