Kakapo – gestrandet im Paradies

Die ersten Urlaubstage sind um; unglaublich, wie die Zeit rennt. Gleich am ersten Tag starteten wir morgens von Bloubergstrand aus in Richtung Kapstadt, am Tafelberg vorbei übers Constantia Neck in den entspannten Urlaubsort Hout Bay. Geplant war ein ein gemütliches Lunch im Deus Cafe mit einer guten Bekannten aus Deutschland und ihrem Bruder, der hier lebt. Nach drei Monaten endete ihre Zeit in Hout Bay direkt am nächsten Tag, so dass wir uns tatsächlich kurz vor Knopf noch sehen konnten. Das Deus Cafe ist sehr zu empfehlen. Es liegt unscheinbar an der Hauptstraße M6 Richtung Chapman’s Peak. Im Haus selbst gibt es neben einem Gastraum co-working-spaces für mobiles Arbeiten und hinterm Haus einen großen, schön gestalteten Außenbereich. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

Hout Bay liegt ganz in der Nähe von Kommetije. Dort wollten wir im letzten Jahr den Leuchtturm Slangkop besteigen, der allerdings geschlossen war. Jedenfalls fuhren wir nun in dieser Woche wieder nach Kommetjie, allerdings um diesmal ein altes Schiffswrack zu suchen. Das Wrack der Kakapo. Nicht lachen, das Schiff hieß wirklich so und hat seinen Namen nach einer neuseeländischen Papageienart erhalten. Der arme Vogel ist flugunfähig, nur noch ein seltener Vertreter seiner Art und wiegt 3,5 kg, mehr als jeder andere Papagei auf der Welt. Wenn das mal keine Vorahnung für das Schicksal des stolzen Dampfschiffes „Kakapo“ war.

Der schnellste Weg zum Wrack führt vom Long Beach in Kommetjie zum Noordhoek Beach, denn eigentlich liegt das Schiff dort. Nur muss man schauen, wieviel Zeit man für die Entdeckungsreise mitbringt. Wir waren knapp dran und starteten von Kommetjie-Seite unsere Tour. Am Strand angekommen eröffnete sich uns eine raue See mit einem fantastischen Strand, und wir waren fast allein. Wir stiefelten los, um wie Columbus nun endlich Indien zu entdecken. Auf dem Weg dorthin, also zum Wrack, gab es einiges an Natur zu entdecken, aber das Wrack war nirgends zu sehen. Immer wieder schauten wir auf den Routenplan, doch der Weg am Strand, der offensichtlich richtig sein musste, hatte kein Ende. Wir kamen dem Wrack einfach nicht näher. Da die Zeit langsam eng wurde, entschieden wir uns, dem Ganzen ein Ende zu bereiten und gaben auf. Nicht allerdings, ohne vorher noch einmal den Strandhorizont mit dem Fernglas abzusuchen. Und siehe da, in der Ferne konnten wir die Überreste der Kakapo entdecken. Der Strand von Noordhoek ist sehr, sehr lang. Und auch, wenn das Wrack schon zu sehen war, blieb uns keine Zeit, weiterzugehen. Schöne Bildmotive hätte es auf jeden Fall gegeben.

Und auch, wenn es die Bilder des Schiffswracks hier heute im Blog nicht gibt, sollt ihr wenigstens die Geschichte zur Kakapo lesen. Sie wurde als Dampfschiff 1898 in Auftrag gegeben und in Wales gebaut. Von dort trat sie 1900 ihre Jungfernfahrt an. Den Bauch mit Kohle gefüllt sollte sie es nach Australien führen, ihrer neuen Heimat. Doch es kam anders. Der junge Kapitän, der auf der Kakapo sein erst frisch erhaltenes Kapitänspatent ausübte, kam am 25. Mai 1900 vor Kapstadt in schwere See und war sich sicher, dass er das Kap der guten Hoffnung umfahren hat und lenkte sein Schiff in ihr Schicksal. Denn er hat den Chapman’s Peak mit dem Kap verwechselt – was zu damaliger Zeit ohne Leuchtfeuer und in tiefer Nacht durchaus möglich war – und lotste die Kakapo mit Volldampf auf den Strand von Noordhoek. Die Besatzung kam fast trockenen Fußes an Land, alle überlebten diese Katastrophe. Der Kapitän verlor sein Patent. Aber nur für 3 Monate, dann durfte er wieder ein Schiff lenken. Die Kakapo ließ sich nicht mehr bewegen, weder unter eigener Kraft noch mit Hilfe anderer, die sie aus dem Sand ziehen wollten. Und so steckt sie seit über 120 Jahren im Sand von Noordhoek fest. Mittlerweile haben Wasser, Sand und Sonne sie weitestgehend verzehrt. Allerdings sollen die Umrisse des Schiffrumpfes noch gut zu erkennen sein. Genau so wie der Dampfkessel, den wir von weitem durchs Fernglas sehen konnten. Hätten wir ne gute Stunde mehr Zeit gehabt, hätten wir das Schicksal der Kakapo im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen greifen können – und sogar noch einen Geocache heben können. Dann eben beim nächsten Mal!

Kleine aber nicht unwesentliche Ergänzung: Claudia und Bernd, Freunde aus Worms, die wir vor einigen Jahren in Plettenberg kennengelernt haben, sind in auch grad mit Familie und Freunden in der Gegend unterwegs. Sie waren so nett und haben die Kakapo-Überreste aufgesucht ein paar beeindruckende Fotos vom gestrandeten Dampfschiff gemacht haben. Danke dafür!


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