National Heritage mal zwei

Das Ziel hieß Paarl – neben Weingütern wollten wir nun endlich das Afrikaanse Taalmonument, also das Afrikaans Sprachdenkmal besuchen, das hier zum Nationalen Kulturerbe zählt. Bisher hatten wir es nur aus der Ferne gesehen, von der Autobahn aus oder von einem der Weingüter, z.B. Laborie. Schon von dort sah das Monument spannend aus, und diesem Ruf sollte es auch gerecht werden. Von Franschhoek aus erreicht man Paarl aus zwei Richtungen. Wir nahmen dieses Mal die etwas längere Strecke auf uns, denn auf dem Weg zum Monument kommt man über diese Straße gleich noch an einem Nationalen Kulturerbes Südafrikas vorbei.

Gemeint ist ein Haus im Drakenstein Correctional Center, einem Gefängnis mit niedriger Sicherheitsstufe, das in früherer Zeit Victor Verster Gefängnis hieß. Der berühmteste Insasse dieses Gefängnisses war Nelson Mandela, der hier die letzen 14 Monate seiner Gefangenschaft in einem Haus verbrachte, nachdem er vorher auf Robben Island und im Pollsmoor Gefängnis in Kapstadt inhaftiert war. Am 11. Februar 1990 schritt er als freier Mann an der Seite seiner damaligen Frau Winnie Mandela durch die offenen Schranken der Zufahrtsstraße zum Gefängnis, von tausenden Menschen umringt. Diese Bilder gingen damals um die Welt und jetzt standen wir genau dort, wo Mandela damals seine Freiheit wiedererlangte.

Heute würde man vermutlich an diesem Ort vorbeifahren, sofern man nicht vorher darüber gelesen hat. Biegt man von der Hauptstraße in die Auffahrt zum Gefängnis ab, steht man schon direkt vor einer überlebensgroßen Statue Mandelas. Mutig fuhren wir an ihr vorbei direkt auf den Schlagbaum zur Gefängniseinfahrt zu, denn der war offen. Schließlich wollten wir ja das Haus sehen, in dem Mandela während seiner Zeit hier lebte. Ein freundlicher Beamter stoppte uns natürlich und fragte, was wir wohl wollten und erklärte uns, dass ein Zugang zum Gelände nicht möglich ist. Das Haus selbst könne man zwar über Umwege besichtigen, aber eine wirkliche Chance ohne vorherige Anmeldung gäbe es wohl nicht. 2010 wurde das Haus zum Nationalen Kulturerbe ernannt, da es ein Zeichen des südafrikanischen Befreiungskampfes sei. Wir parkten das Auto, machten die obligatorischen Fotos, ohne das Wohnhaus gesehen zu haben. Schade.

Dann also nichts wie weiter Richtung Paarl zum nächsten Nationalen Kulturerbe, dem Afrikaanse Taalmonument. Übersetzen kann man das mit dem Sprachdenkmal, das der Sprache Afrikaans gewidmet ist, eine der jüngsten Sprachen Afrikas. Seine Wurzeln hat Afrikaans in Europa, Asien und Afrika, die der Architekt, Jan van Wijk, in den verschiedenen Teilen des Bauwerks darstellte. Eingebettet ist das Monument hier in den Bergen von Paarl in eine sehr gepflegte Landschaft. Der Eintritt kostet 40 Rand pro Person (knapp 2 Euro).

Jede Form der Bauskulptur hat ihre eigene Bedeutung. Die Säulen ganz links symbolisieren die Sprachen holländisch, französisch, deutsch und portugiesisch. Diese haben aufgrund der historischen Entwicklung seit der Landung von Jan van Riebeck am Kap der Guten Hoffnung Mitte des 17. Jahrhunderts einen besonderen Einfluss auf die Sprache Afrikaans. Aber auch indonesisch bzw. malaaisch oder arabische Sprachen beeinflussten das Afrikaans sowie auch die Sprachen der Sklaven aus anderen Teilen Afrikas. Natürlich nicht zu vergessen die Sprachen der Khoikhoi, Xhosa oder Zulu, die durch die Halbkugeln auf der Plattform dargestellt sind. Die Hauptstele, die innen hohl ist soll die Bedeutung von Afrikaans versinnbildlichen. Sie ist 57 Meter hoch. Daneben steht eine in Richtung Afrika zeigende, offene Stele, die die Republik Südafrika versinnbildlicht. Wer sich vertieft über die Bedeutung der einzelnen Bauteile des Monuments informieren möchte, kann dies auf der Homepage des Taalmuseums machen.

Das Afrikaans Taalmonument wurde am 10. August 1975 eröffnet, genau 50 Jahre, nachdem Afrikaans 1925 zur offiziellen Sprache Südafrikas geworden war. Und warum gerade in Paarl? Auch dafür gibt es einen Grund. 1875, also genau 100 Jahre vor der Eröffnung des Sprachenmonuments gründete sich in Paarl eine Vereinigung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die Sprache nunmehr auch als Schriftsprache zu etablieren und das zu damaliger Zeit schon als eigene Sprache etablierte Afrikaans auch als solches zu benennen und nicht etwa das bis dahin gebräuchliche Kap-Holländisch zu verwenden. Damit war dann wohl die Zeit der Sprache Afrikaans endgültig angebrochen.

Nach so vielen neuen Erkenntnissen mussten wir uns natürlich erst einmal ausruhen und entspannen, was wir bei einem kleinen Rundgang durch den toll angelegten Park taten. Dabei entdeckten wir auch das Grab des Architekten des Monuments, Jan van Wijk, dessen Asche in einen der Felsen am Rande seines Bauwerks eingelassen ist. Ein Ausflug hierher zum Taalmonument lohnt allemal, auch wenn es nur für einen kurzen Aufenthalt reicht. Denn neben dem Monument ist auch der Blick über die Landschaft rund um Paarl bezaubernd.

Afrikaanse Taalmonument Paarl – Afrikaans Sprachmomument

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