74 plus – Wine Diary -2-

Regional befinden wir uns nun in einer der südlichen Weinregionen Südafrikas, zu denen die Walker Bay, das Elgin, Plettenberg und Overberg gehören. Eine der landschaftlich beeindruckenden Weinbaugebiete befindet sich um Hermanus, der Stadt der Walbeobachter, in der wir auch in 2024 einige Tage verbrachten. Sie nennt sich Hemel-en-Aarde (Himmel und Erde) und wird ihrem Namen in jeder Hinsicht gerecht. Die Regenfälle des letzten Winters haben an vielen Stellen ihre Spuren hinterlassen. Dort, wo früher ein kleines Rinnsal floss, hat das Wasser breite Schneisen in die Landschaft geschlagen und auch vor Straßen keinen Halt gemacht. Andererseits kann man die Gegend hier in vollen Zügen genießen, die Weingüter liegen hintereinander weg fast wie auf einer Kette aufgefädelt. Da wir im letzten Jahr nur einen Tag für eine Weinreise zur Verfügung hatten, sollte dieses Jahr etwas mehr Zeit für Weingut-Entdeckungen verbleiben.


Bouchard Finlayson

Auf der Anreise von Franschhoek nach Hermanus machten wir eine kleinen Stopp auf einem Weingut, das etwas von der Hemel en Aarde Road (R320) erhöht auf einem kleinen Hügel liegt. Zum Wein-Tasting zogen wir uns aufgrund des üppigen Sonnenscheins und der Wärme des Tages in den kühleren Weinkeller zurück, um die Weißweine zu verkosten. In die Wände des Tasting Rooms sind Regale mit allen Weinen des Gutes bestückt und wie überall hängen auch hier die Auszeichnungen und Medaillen der preisgekrönten Weine. Der Weinkeller selbst ist so groß, dass dort genügend Menschen auch in großen Gruppen unterkommen. Weinfässer und Utensilien des Weinbaus schmücken die seitlichen Flanken des Raumes. Zu testen gab es vier Weißweine: einen Sauvignon Blanc, einen Chardonnay aus dem Stahltank, ein weiterer Chardonnay klassisch aus dem Holzfass und einen Blanc de Mer („Die Weißen vom Meer“, ein Blend aus Riesling und Viognier). Alle vier Weine lagen für unseren persönlichen Geschmack etwas zu hoch in der Säure, aber sehr typisch für Weine der Walker Bay, die auf Sandstein-, Tonschiefer- und Granitböden gedeihen. Sie profitieren trotz der Höhe der Anbaugebiete vom kühlen Polarwind, der vom Ozean her durch die Reben pfeift. Bouchard Finlayson gehört zu den Weingütern, die den Ruf der Walker Bay als „Cool Climate“ Weinregion in die Welt getragen haben. Das Estate ist super gepflegt und lädt zum Verweilen nicht nur im Weinkeller, sondern auch auf der Terrasse ein, von der man einen tollen Blick hinunter ins Tal und auf die Berge genießen kann.


Benguela Cove

Dieses Estate hatten wir schon auf die Liste gesetzt, bevor wir nach Hermanus fuhren. Das Weingut liegt im beschaulichen Örtchen Fisherhaven an einer großen Lagune des Atlantischen Ozeans und reizte uns nicht nur wegen des vermuteten guten Weins, sondern eben auch wegen der Lage des Gutes. Und wir wurden nicht enttäuscht. Ein klassisches Weingut sieht anders aus als Benguela Cove. Hier wirkt alles sehr modern, ziemlich neu und leicht vornehm. Neben einem gehobenen Restaurant stellen zahlreiche Künstler hier ihre Kunstwerke aus, die in allen Bereichen des Estates zu sehen sind. Ein großer Weinkeller darf natürlich nicht fehlen, für eine Tour dort durch waren wir am frühen Vormittag noch nicht bereit. Denn wir wollten ja erst einmal die Weine testen und ein bisschen was essen. Die Weißweine sind sehr gut; die Trauben reifen nahe am Meer und erleben die kühle Brise und die salzige Gischt des Atlantiks auf einer Höhe von nur 3 Metern über dem Meeresspiegel. Für den kleinen Hunger gönnten wir uns eine Käseplatte als kleine Grundlage und Stärkung für den weiteren Tag. Ein Besuch hier ist sehr empfehlenswert, da neben den Weinen auch sonst eine Menge geboten wird. Selbst übernachten kann man hier.


Iona

Mit dem Besuch hier bei Iona folgten wir einer Empfehlung des Sommeliers von Benguala Cove. Auf der anderen Seite des Hügels hinter Fisherhaven liegt etwas versteckt dieses Weingut, das man über eine fast 7 Kilometer lange gravel road erreicht. Iona ist anders. Nicht nur, das es etwas ab vom Schuss liegt, hier scheint sich die Welt auch ein bisschen langsamer zu drehen und sich zu entspannen. Das Gut ist recht überschaubar und gibt einen Blick über die eigenen Weinberge hinunter ins Tal frei. Die Lage der Weinstöcke war Grund für die Empfehlung, hierher zu fahren, denn die klimatischen Verhältnisse unterscheiden sich deutlich von denen in Fisherhaven. Iona gibt es erst seit 1997, also ein Youngster unter den südafrikanischen Weingüter und gehört einer Familie, die schottische Vorfahren hat. Daher auch der Name des Gutes Iona und die Leidenschaft des Eigentümers nicht nur für Wein, sondern auch für Autos und Kunst. Tatsächlich befinden sich im Tasting Room eine kleine Kunstausstellung und zwei Porsche.
Beim Tasting waren wir die einzigen Gäste, was zur Folge hatte, dass wir alles, aber auch wirklich alles sowohl über die Weine als auch über die Farm erfuhren. Auch wenn wir keine Rotweine vertragen, kamen wir am Ende auch nicht an einer Probe des Pinot Noir vorbei, für den Iona sehr bekannt ist. Auch den fanden wir gut so wie auch die Weißweine, obwohl nicht so spektakulär, wie sie uns von unserer Gastgeberin präsentiert wurden. Trotz der Mühen – vor allem für unser Auto – lohnte sich der Besuch bei Iona; der Garten und die Anlage sind gepflegt und zugleich urig, die Hühner picken im Gras und auch mal im Tasting Room. Am Ende bekommt man kostenfrei eine kleine Dusche, wenn man zurück zum Auto durch die Rasensprenger läuft. Nett war‘s.


La Vierge

Diese Hütte fällt schon beim Vorbeifahren auf. Die pinkfarbenen Sonnenschirme und Fenster-Rollläden vermuten ein anderes Geschäft hinter diesen Mauern als ausgerechnet Wein. Konsequenter Weise setzt sich die Farbe im Inneren des Hauses auf angenehme Art fort und stört behaupt nicht beim Genuss der Weine und der Käseplatte, die wir uns gönnten. Ganz im Gegenteil. Spannendes Interieur, unterschiedliche Sitz-Möglichkeiten und sehr freundliche Kellner erwarteten uns im Gastraum. Angeschlossen ist auch ein Restaurant, das ein kleiner Geheimtipp sein muss, denn zur Mittagszeit herrschte hier Hochbetrieb, bei dem man ohne Reservierung keine Chance auf einen Platz hatte. Wer sich nun fragte, woher das Pink in allen Bereichen kommt, mag sich an den Namen des Weingutes erinnern: La Vierge – die Jungfrau. Sie blickt von verschiedenen Winkeln immer mal wieder um die Ecke. Und wenn man Glück hat, kann man sie sogar fotografieren.


Bosman Family Vineyards Hermanus

Bosman hat offensichtlich eine zweite Heimat hier in der Region Hemel-en-Aarde gefunden. Da wir es bis jetzt nicht geschafft hatten, bei deren Homebase in Wellington einzukehren, nutzten wir die Chance, die Bosman-Weine eben hier zu probieren, zumal das Frame-House – so nennt sich deren Dependence hier – grad mal 3 Minuten von La Vierge entfernt liegt. Der Weg hat sich in jedem Fall gelohnt. Vorbei an einem kleinen Staudamm sieht man aus der Ferne schon ein kleines Gebäude, das einsam in einer weitläufigen Landschaft geschützt von einem riesigen Baum liegt und auf uns wartete. Die weißen Weine von Bosman schmecken lecker. Aber noch mehr beeindruckt tatsächlich der Blick in die Berge und die Fynbos-Landschaft. Die Protea, Nationalblume Südafrikas, blüht hier in voller Schönheit. Die Sugarbirds, die Vögel mit ihren glitzernden und langen Schwanzfedern, fliegen hier von Pflanze zu Pflanze, als würden sie es darauf anlegen, fotografiert zu werden. Na gut, dann eben ein Foto! Wer Lust auf eine Wanderung hat, kann von hier aus Richtung Berge starten, um sich dann mit einen Blick über das ganze Tal bis hin zu De Kelder und Gansbaai zu belohnen. Vielleicht beim nächsten Mal.


Packwood Wine Estate

Nach Hermanus und seiner Weinregion ging es für uns über den Strandurlaub in Wilderness weiter nach Plettenberg Bay. Für Weinliebhaber nimmt die Anzahl der Weingüter Richtung Osten drastisch ab und hält lediglich in der Region rund um „Plett“ noch einige wenige Estates bereit. Vor einigen Jahren besuchten wir z.B. bereits Bramon und Kay & Monty westlich von Plettenberg in Richtung Tsitsikamma National Park. In diesem Jahr stoppten wir zwanzig Kilometer vor Plettenberg beim Weingut Packwood. Der Weg dorthin führt von der N2 aus sechs Kilometer nördlich über eine gravel road. Gut, das ab und an das Weingut ausgeschildert war, sonst wären wir vermutlich irgendwo im Nirgendwo umgedreht. Endlich angekommen öffnete sich beim Klingeln an der Pforte das große Tor zum dem Weingut, das sich idyllisch an die hügelige Landschaft schmiegt. Vom Parkplatz aus stiefelten wir zunächst zum Häuschen mit der Aufschrift „tasting room“, das allerdings an diesem doch sehr heißen Sommertag zugunsten der Außenterrasse auf dem gegenüberliegenden Hügel nicht in Betrieb war. Ein freundliche Dame führte uns genau dorthin und platziert uns an einen langen Holztisch auf dem Deck mit tollem Blick ins Tal. Da Mittagszeit war, orderten wir (natürlich!) eine Käseplatte, die ausgesprochen lecker und mit im Gut selbst gemachtem cremigen Käse, Salat und Obst bestückt war. Als Wine Tasting gab es bei den Weißen Sauvignon Blanc und Chardonnay. Außerdem wurde uns ein Semillon kredenzt, der sehr gut war. Von dem Jahrgang 2022 gab es nur eine geringe Ausbeute, so dass es sich tatsächlich nicht lohnt, dafür extra ein Label zu produzieren. Statt dessen hing an der Flasche ein Pappanhänger mit den wesentlichen Informationen zu diesem Wein. Insgesamt produziert Packwood so wenig Wein, dass man ihn selbst in Südafrika nur regional begrenzt kaufen kann und erst recht nichts für den Export übrig bleibt. Da hilft es nur, einfach mal selbst dort hin zu fahren, um in den Genuss des Weins und der Location zu kommen.


Doolhof

Zu diesem Weingut führte uns eine Gin-Neuheit, die wir in unserem Lieblingsrestaurant in Bloubergstrand offeriert bekamen; ein Gin, der im Hauptbestandteil aus den roten Trauben des Malbec gemacht wird, sehr lecker und außergewöhnlich schmeckt. Dass im Weinland Südafrika bisher niemand auf diese Trauben-Idee kam, ist schon erstaunlich. Auf dem Rückweg von Plettenberg nach Kapstadt fuhren wir über die Route 62 und Montagu nach Wellington, um nun also Doolhof einen Besuch abzustatten. Die letzten paar Kilometer mussten wir wieder über eine gravel road fahren und kamen dabei am Weingut „Andreas“ vorbei, die leider nur Rotweine im Programm haben. Sonst wären wir dort sicher auch noch gelandet. Auf dem Parkplatz von Doolhof angekommen orientierten wir uns zunächst einmal in Richtung Tasting Room. Auf dem Weg dorthin schauten wir am Haupthaus vorbei, in dem gerade eine opulente Hochzeit für rund 200 Personen ausgerichtet wurde. Daneben im Restaurant hätten wir auch etwas essen können, aber wir waren ja für das Wine Tasting hergekommen. Außerdem hatten wir in Montagu bei Rambling Rose gefrühstückt (definitiv eine Empfehlung wert). Bei der Doolhof-Weinprobe konnten wir uns die Weißweine selbst auswählen, die wir verkosten wollten. Alle fünf wurden auf einem Tablett mit einem kleinen Kärtchen mit den Informationen über den jeweiligen Wein präsentiert. Deswegen verzichteten die wie immer freundlichen Mitarbeiterinnen wohl auf eine persönliche Vorstellung der Weine. Wer lesen kann, ist hier also klar im Vorteil. Am Ende haben wir entschieden, dass der Gin die Weine deutlich überragt und wir gut daran tun, ein Gin-Fläschchen mit nach Hause zu nehmen. Am Ende wurden es sogar zwei!


De Grendel Wine Estate

De Grendel gehört seit Jahren zu unseren Lieblings-Weingütern im Durbanville Wine Valley. Wir sind also reisetechnisch wieder zurück in Kapstadt angekommen und genießen die letzten Februar-Tage. Dieses Weingut liegt im gesamten Valley am dichtesten an Kapstadt. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt bis hin zum Tafelberg. Wir sind in jedem Jahr mindestens einmal hier für ein Wine Tasting und zum Lunch im De Grendel Restaurant. So auch in diesem Jahr. Neben den Weinen von Diemersdal schmecken uns die Weine von De Grendel mit am besten. Einen besonderen Wein namens „Winifred“ gibt es leider nur im Restaurant zu bestellen, denn so einfach kaufen kann man ihn nicht. Es sei denn, man ist Mitglied im De Grendel Loyalty Club – eine Flasche Winifred steht also noch bei uns im Kühlschrank. Ein Restaurantbesuch hier ist quasi ein Muss in jedem Urlaub, die Menüs schmecken mindestens so gut, wie sie in der Karte angekündigt werden. Und selbst das Brot bewegt sich in einer eigenen Klasse. Das ist so lecker, dass wir in diesem Jahr frech nach dem Rezept dafür gefragt haben – und es auch bekommen haben.


Das war nun also die Weinreise 2024 mit den von uns besuchten Weingütern. Zu erwähnen bliebe noch, dass wir in Plettenberg beim mittwöchlichen Farmers Market im Old Nick Village ein kleines Tasting bei Boplaas gemacht haben. Deren Farm befindet sich auf der Route 62 im Ort Calitzdorp, wo wir in diesem Jahr nicht halten wollten. Warum dann also nicht eine Gelegenheit am Rande eines Marktes nutzen, um Weine zu testen. Boplaas ist sehr bekannt für seinen Portwein, der wirklich köstlich ist. Bei den von uns in Plett getesteten Weinen gefiel uns der Rosé am besten.
So, und nun ist aber wirklich Schluss mit Wein & Co. – vorerst.


2 Gedanken zu “74 plus – Wine Diary -2-

  1. Ich darf mir die gleiche Frage anhören, ob ich auch was anderes als winetasting mache im Urlaub 😅 habe seit 2019 auch jetzt 71 Weingüter besucht, ich teste immer ausschließlich die Rotweine oder Rosè und MCC. Besuche ebenfalls lieber kleinere und nicht so bekannte Weingüter, auch wenn man um die manchmal nicht drumherum kommt wie La Motte, Boschendal oder Babylonstoren. Dafür habe ich bisher Graff und Tolara links liegen gelassen und war grade vorgestern bei Zorgvliet und Oldenburg-klare Empfehlung für beide.

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