
Das Rekordjahr 2024 werden wir dieses Mal nicht knacken. Unsere Weinreise führte uns in diesem Jahr zu sieben tollen Weinfarmen und – von langer Hand geplant – zur Inverroche Gin Destillerie in Stilbaai. Bei den Weingütern konzentrierten wir uns eher auf die kleinen, nicht so kommerziellen Farmen. Hier kommt man mit den Gastgebern intensiver ins Gespräch und ist nicht lediglich einer von Hunderten, die täglich durch die Weinprobe geführt werden. Und gerade bei den kleineren Weingütern gibt es immer wieder spannende Erlebnisse.
Außerdem durften natürlich die Besuche bei unseren Lieblingsweingütern Diemersdal und DeGrendel im Durbanville Wine Valley oder Glenwood in Franschhoek nicht fehlen. Auch die sind ganz schön groß, aber haben den Kontakt zu den Kunden im Blick – wie wir immer wieder feststellen. Aber der Reihe nach.
Zevenwacht
Bei einem Abendessen in unserem Lieblingslokal in Bloubergstrand stießen wir auf einen Wein von Zevenwacht. Das Weingut sollten wir unbedingt besuchen. Unsere Gastgeberin erzählte dann auch noch, dass ihre Tochter dort geheiratet habe. Also hielten wir auf dem Weg von Kapstadt nach Franschhoek auf halber Strecke bei Zevenwacht an. Dort angekommen merkten wir, dass Zevenwacht mehr ist als nur ein Weingut. Es gibt unter anderem eine Ferien- und eine Wohnanlage oder auch das so genannte Zevenwacht Village. Über mehrere kleine Kreisel erreichten wir dann das Weingut. Neben dem Lokal für die Weinproben findet man hier auch ein Restaurant, Spa & Wellness und eine Weinwanderroute, um sich die Zeit zu vertreiben. Wir entschieden uns natürlich für die Weinprobe.






Auto auf dem Parkplatz abgestellt, Eingang zum Tastingroom gefunden, Platz genommen – warten auf den Weinkellner. Nach geraumer Zeit kam ein Sommelier an unseren Tisch und merkte nach anfänglicher Zurückhaltung, dass wir tatsächlich Interesse an seinen Weinen hatten. Und dann kamen wir auch ins Gespräch darüber. Besonders angetan hatten es uns der Rosé vom Cabernet Franc und ein weißer Blend aus Chenin Blanc, Viognier, Semillon, Chardonnay und Roussanne namens „JAN“ aus 2024 – kann man über den Umweg Holland auch von zu Hause aus bestellen. Ist schon auf der Liste für den nächsten Einkauf.





Ein bisschen mager viel die Käseplatte aus – da sind wir andere Kaliber gewöhnt. Gar nicht mal wegen der Menge oder des Geschmacks, sowohl der Käse als auch das Biltong waren lecker. Anders präsentiert wäre das Ganze sicher noch mal um einen Punkt leckerer gewesen. Klagen auf hohem Niveau!
Lievland & MAN
Die nächste Station auf dem Weg nach Franschhoek planten wir bei MAN Familiy Wines zu machen. Von der Hauptstraße R44 aus führt eine Gravelroad über einen Kilometer hin zu einem Parkplatz direkt vor das Herrenhaus von Lievland. Der Parkplatz und der Weg zum Restaurant sind gesäumt von blauem Allium, der einen tollen Kontrast zum weiß der Häuser und zum grün der hügeligen Landschaft bildet. Hübsch ist es hier. Das Wine Tasting findet in einem Haus im kapholländischen Stil statt, das frisch renoviert zu sein scheint. Am Eingang zum Gastraum lädt eine mit Kreide beschriebene Tafel zur Weinprobe ein. Jedenfalls haben wir schon mal den richtigen Ort gefunden.




Das Weingut selbst heißt Lievland und produziert auch unter diesem Namen Weine. Eigentlich wollten wir uns durch die MAN-Weine probieren, denn wir hatten den Sauvignon Blanc „Warrelwind“, weil der so lecker war, zu unserer Hochzeit ausgeschenkt. Allerdings werden die MAN-Weine im Tasting nicht angeboten, so dass wir uns durch die Lievland-Range probieren mussten. MAN steht übrigen nicht für den deutschen LKW-Bauer, sondern es sind die Anfangsbuchstaben der Frauen der Eigentümerfamilien: Marie, Annette und Nicky.




Im Inneren des modern und gleichzeitig traditionell ausgestalteten Hauses begrüßten uns drei freundliche Damen sehr herzlich mit: „Sie wollen bestimmt ein Wine Tasting machen?!“ Ja was denn sonst! Wären wir nicht zielstrebig in den Tastingroom gegangen, könnten man bei der Frage fast vermuten, dass man es uns mittlerweile ansieht, dass wir nur zu diesem Zweck hier sind. So weit ist es dann aber doch – noch – nicht! Wir konnten uns aussuchen, an welchem der zahlreichen Tische wir Platz nehmen wollten. Definitiv drinnen, denn draußen war es ganz schön warm. Die Sommelière stellte uns das Tasting vor, und wir entschieden uns für eine Auswahl wie immer ohne Rotweine und ohne MCC, also dem hiesigen Champagner. Angeboten hat man uns einen Rosé, einen Chenin Blanc und einen Sauvignon Blanc. Für uns gehören diese drei Weine nicht zu unseren Favoriten, geschmeckt haben sie dennoch.





Der Ort lädt zum Verweilen ein, der Ausblick in die Landschaft ist toll. Und die einzelnen Gebäude und die Grünanlagen sehen sehr gepflegt aus. Lievland ist ein kleines Weingut, nicht spektakulär wie die Großen. Ein Abstecher hierher lohnte sich in jedem Fall, auch wenn es letztlich die MAN-Weine nicht zu probieren gab. Aber wir wissen ja, dass der Sauvignon Blanc und der Chenin Blanc von MAN definitiv zu empfehlen sind – eigenständig im Restaurant getestet und für gut befunden.
Stony Brook Vineyard
Auf Empfehlung von Theo, der uns bei De Grendel unverhofft ansprach, landeten wir an unserem ersten Tag in Franschhoek bei Stony Brook. Am Hugenotten-Denkmal am Ende der Main Road geht es rechts ab in Richtung einiger Weingüter, die von der Wein-Tram nicht angefahren werden können. Daher ist der Weintourismus dort nicht so stark ausgeprägt und man trifft dort eher auf Individualisten oder Südafrikaner. So war es dann auch.




Auf dem Weingut kann man auch übernachten, wir wollten allerdings lediglich eine kleine Weinprobe machen. Dafür gibt es einen kleinen Tastingraum, in dem Bev und ihre Kollegin uns freundlich begrüßten. Wir nahmen am Fenster zum Garten hin Platz, in dem ein riesiger Eukalyptusbaum steht, der uns schon bei der Ankunft auffiel. Später sollten wir erfahren, dass er über 200 Jahre alt ist und vor allem bei Vollmond seine leicht gespenstische Wirkung entfaltet. Nicht zuletzt wegen der in Teilen nicht mehr vorhandenen Borke und dem weißen Holz, das dann besonders zum Vorschein kommt. Einer der Weine ist diesem Baum gewidmet und heißt bezeichnender Weise „Ghost Gum“ – warum wohl?!




Apropos Weine: wir testeten uns auch hier ausschließlich durch die Weißen und können sagen, dass die unseren Geschmack getroffen haben, vor allem ein Blend aus Viognier, Semillon und Chardonnay namens „J“. Stony Brook hat eine große Range an Weinen, darunter auch einen Rosé, den wir nur ausnahmsweise testen konnten, und der extra für den neuen Eigentümer seit einigen Jahren im Programm ist. Man merkt aber, dass Rosé nicht zu den Kernkompetenzen von Stony Brook gehört.




Die Atmosphäre war super, ein befreundetes Paar des Hauses besuchte das Tasting zur gleichen Zeit wie wir und brachte ein von ihnen selbstgemaltes Portrait des Hundes der Stony Brook-Familie mit. Und dann kommt man natürlich ins Gespräch. Übrigens an Theo, unseren “Freund” von De Grendel, kann sich bei Stony Brook niemand erinnern. Und dabei wollten wir doch auf seine Rechnung trinken. Witziger Weise trafen wir ihn in den letzten Tagen hier wieder, und zwar bei Diemersdal. Er erinnerte sich an uns und wir haben ihm erklärt, dass er demnächst eine kleine Rechnung von Stony Brook erwarten könne – und daran wollte er sich nun wirklich nicht erinnern. Gut, dass wir bezahlt hatten!
La Bri Wine Estate
La Bri liegt um die Ecke unseres Appartments. Vermutlich ist das der Grund, warum wir noch nie hier waren. Dieses Jahr sollte es also soweit sein. Und wir wurden nicht enttäuscht. Die Weine sind echt prima. Für die Weinprobe hatten wir nicht reserviert, hätten es aber besser machen sollen. Denn der Tastingroom war entsprechend voll – obwohl der Parkplatz leer war – La Bri liegt halt an der Strecke der Wein-Tram. Entsprechend sind die Besucherströme.





Wir wurden in einen hinteren Raum verfrachtet, der über einen modernen Weinkeller zu erreichen war. Im regulären Veranstaltungsraum waren alle Plätze belegt. Eine sehr freundliche Dame wies uns den Weg und bediente uns dann auch. In diesem Raum waren wir mit einer Familie zusammen – Mutter, Vater, zwei erwachsene (Schwieger-) Kinder – vermuteten wir. Keine Ahnung von Wein, aber Spaß hatten die allemal. Die saßen auf der einen Seite des langen Tisches, den es in diesem sehr warmen Raum gab. Auf der anderen Seite ein Vater mit seinen Söhnen, bayerische Urgesteine, breitester Dialekt, die gleich so viel Rotwein erst probierten und dann kauften, dass sie später noch eine Kellerführung obenauf bekamen.
Und wir beide, die sich nun nachträglich zu dieser Tisch-Runde dazugesellen durften, schlüpften zwischen die Familien, einer auf die eine, der andere auf die andere Seite des Tisches. Skurrilerer geht’s nicht, denn zu Beginn sagte kaum einer ein Wort und wenn, dann wurde geflüstert. Je mehr Wein verkostet wurde, desto lockerer saß dann auch die Zunge und die Anspannung löste sich. Vielleicht hat es auch mit dem Ventilator zu tun, die die freundliche Damen vom Anfang nun anmachte und der etwas Wind in den Raum blies.




Sie, die Dame von Fach wiederum genoß die Situation und holte einen Wein nach dem anderen heraus. Mindestens sechs Gläser in der einen Hand, und eine Flasche in der anderen Hand goss sie die Probierschlucke ein. Und wir waren sehr überrascht, wie gut die einzelnen Weißweine tatsächlich sind, hatten wir sie bei vorherigen Weinmessen als für uns nicht so besonders lecker einsortiert. Am Ende konnten wir nicht anders, als zwei Flaschen von einem hervorragenden Chardonnay mitzunehmen, den wir in Deutschland nicht bestellen können. Trotz oder gerade wegen dieser kuriosen Umstände und definitiv aber wegen der tollen Bedienung sind wir nun froh, nach so vielen Jahren bei La Bri gewesen zu sein.
Delaire Graff Estate
Wieder nicht geschafft. Jedes Jahr das Gleiche. Entweder, wir hatten zu viele Weingüter an einem Tag auf dem Zettel oder wir kamen nicht in die Gegend von Delaire Graff. Jetzt aber sollte es klappen, denn wir hatten nichts weiter vor, als nach Stellenbosch zu fahren, direkt, ohne Umwege und auch zu keinem anderen Weingut vorher oder nachher außer zu Delaire Graff. Es war auf jeden Fall einer der wärmeren Tage mit 30 Grad auf dem Thermometer. Hoffentlich waren die Tastingräume gut gekühlt!








Die Auffahrt zum Weingut allein ist schon bemerkenswert. Eine recht schmale Straße führt über 700m vom Eingangstor direkt auf den Parkplatz vor dem beeindruckenden Hauptgebäude. Die Hitze, die uns beim Aussteigen aus dem klimatisierten Auto entgegenkam, war mindestens genauso beeindruckend. Der Blick von hier oben auf die Berge und das Tal ist atemberaubend schön. Die Fotos können das so gar nicht wiedergeben. Ein Versuch ist es trotzdem wert.










Bei Delaire Graff gibt es nicht nur Wein, sondern auch Kunst. Sowohl außen als auch in den Gebäuden stehen, liegen und hängen Kunstwerke, die je nach dem Auge des Betrachters imposant, schön, merkwürdig oder besonders kreativ sind. Ähnliches haben wir bei Glen Carlou oder bei Grande Provence in Franschhoek gesehen. Im Tasting-Bereich fragten wir nach einem kühlen Platz, möglich im Innenraum. Der Kellner empfahl und allerdings einen Platz unter den Bäumen draußen vor dem Haus. Eine gute Wahl, wie wir feststellen sollten, denn trotz der stechenden Sonne ging ein leichter Wind und die Bäume gaben ausreichend Schatten, damit wir uns nicht das Fell verbrennen.








Neben den guten Weinen – der Rosé war unser Favorit – sollte man auf jeden Fall auch einen Happen zu sich nehmen. Wir entschieden uns daher für eine Käse-Wurst-Platte, die hielt, was sie versprach. Nach dem Tasting, bei dem uns eine sehr freundlich junge Dame namens Jennifer die Weine kredenzte, schlenderten wir durch die Anlage und konnten gar nicht wieder aufhören zu fotografieren. Und auch der Blick in das Restaurant versprach, dass man hier sicher nicht nur gut essen, sondern auch das Ambiente genießen kann. Ein kleiner Rundgang über das Außengelände, ein Hubschrauber-Landeplatz durfte natürlich auch nicht fehlen, kamen wir nicht umhin, an einem kleinen Stand vor dem Restaurant auch noch eine Kugel Eis zu ergattern. Sehr lecker und ein erfrischender Abschluss eines genussvollen Ausflugs – in jeder Hinsicht.
Wildeberg Wines
Beim ersten, zugegebenermaßen sehr spontanen Versuch, bei Wildeberg einzukehren, sind wir gnadenlos gescheitert. Beim Klingeln an der großen Pforte gab es nicht mal ein Rauschen in der Gegensprechanlage; wir zogen wieder von dannen. Aber nicht, ohne einen zweiten Versuch zu wagen. Dieses Mal mit online-Reservierung und zusätzlich vorab bestellter Käseplatte – um auf Nummer sicher zu gehen. Ergebnis: beim zweiten Mal funktionierte alles reibungslos und wir hatten einen tollen Aufenthalt. Dazu jetzt mehr.




Das Tor am Eingang öffnete sich beim Klingeln automatisch, wir fuhren auf das Gelände und parkten vor einem unscheinbaren Gebäude. Das hier war alles nicht vergleichbar mit anderen Weingütern in der Region, keine typischen kapholländischen Häuser, wenig Baumbestand drumherum und den Eingang fanden wir auch nicht spontan und von allein. Über den gut gepflegten Rasen vor dem Haus trauten wir uns nicht zu gehen, machten daher einen kleinen Umweg ums Haus herum und landeten dann doch an der falschen Tür, wurden aber sehr freundlich vom Gastgeber hereingebeten. Hintergrund dieser zurückhaltenden Präsentation des Weingutes ist, dass es erst 2016 von britischen Weinhändlern, die mehrere Weingüter weltweit besitzen, als solches etabliert wurde. Bis vor kurzem wurde auf der Fläche hier mehr Fynbos als Wein angebaut. Das Gut produzierte bisher 85% für das Ausland und öffnet sich erst seit wenigen Jahren dem südafrikanischen Markt. Und daher ist das Weintasting auch noch nicht lange etabliert, schon gar nicht in dem jetzigen Gebäude. Denn ursprünglich fanden die Weinproben etwas höher im Gelände in einem anderen Haus statt, dass allerdings von der Flut im letzten Jahr weggespült wurde. Das jetzige Domizil wurde erst kürzlich hergerichtet und hat dabei einen sehr modernen Anstrich.





Die Breite der angebotenen Weine ist bemerkenswert, über 20 verschiedene Weiße, Rote und Rosés gibt es. Auch wenn die Trauben aus unterschiedlichen Regionen kommen – lediglich 8 Hektar hat die Fläche vor Ort in Franschhoek – werden doch sämtliche Weine auf dem Gutsgelände hier produziert und abgefüllt. Besonders beeindruckend war ein Semillon, dessen Weinstock im Jahre 1905, also vor 120 Jahren (!), gepflanzt wurde. Außerdem empfehlenswert sind der Wildeberg Chenin Blanc und der Sauvignon Blanc. In den Restaurants in Franschhoek wird die Wildeberg-Linie „Wild House“ zu einem sehr günstigen Preis angeboten, erstaunlich für die Qualität, die er mitbringt. Den Grund erfuhren wir auf Nachfrage. Mit der „Wild House“-Range macht Wildeberg sein regionales Marketing, um auf die Marke aufmerksam zu machen und um verstärkt in den südafrikanischen Markt zu kommen. Normalerweise wäre der Wein nämlich teurer – unser Glück!




Ein Abstecher zu Wildeberg lohnt sich, vermutlich findet hier jeder seine Geschmacksrichtung. Noch ist Wildeberg ein kleiner Geheimtipp und ein Nischenprodukt in Südafrika. Mal schauen, wie sich das in Zukunft entwickelt. Aber nicht vergessen: vorher anmelden!
Hartenberg Wine Estate
Das finale Weingut in diesem Jahr. Zu Hartenberg wollten wir schon lange Zeit, irgendwie hat es sich nie ergeben. Denn schon auf unseren ersten Reisen nach Südafrika gab es Hartenberg-Weine zu unseren Abendessen. Mal ein Riesling – ja, in Südafrika wird auch Riesling angebaut – oder mal ein Chardonnay. Also wurde es jetzt höchste Zeit, diesem Weingut einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg von Swellendam zurück nach Bloubergstrand machten wir einen kleinen Abstecher in Stellenbosch, um neben den Weinen von Hartenberg dort auf dem Gut auch eine Kleinigkeit zu essen.





Die Zufahrt zum Weingut ist links und rechts geschmückt von Blumen, Bäumen und sorgfältig aufgeschichteten Steinwällen. Auf dem Parkplatz angekommen entdeckt man als erstes den Glockenturm, der früher die Sklaven zur Arbeit, zum Essen oder zum Feierabend rief. Diese Zeiten sind Gott sei Dank lange vorbei. Man findet diese Glocken aber auf vielen Weinfarmen noch heute als Mahnung an die Zeiten der Sklaverei.
Auf einer langgezogenen Treppe geht es abwärts zum Haupthaus, wo wir freundlich von einem jungen Mann begrüßt wurden, der schon lange auf uns gewartet hatte. Natürlich nicht, aber wir waren vermutlich die einzigen Gäste vor und nach unserem Besuch. Wir fühlten uns nicht einsam, hatten aber das komplette Gelände von Hartenberg für uns allein. In einem Rondell um das Haus waren die Tische unter einer Wein-Pergola angeordnet, wir durften uns einen der Tisch aussuchen, was wir dann auch taten. Die Fläche vor dem Haus strotzte nur so von Farbe. Blumen in weiß, rot und rosé, grüner Rasen, der wie angemalt aussah, weißes Gutshaus vor blauem Himmel. Noch kitschiger geht es fast nicht.






Der junge Mann vom Eingang, Onalo, führte uns nun in das Tasting ein, wobei wir wiederum auf die roten Weine und den MCC – den Champagner Südafrikas – verzichteten, dafür aber gleich eine Käse- und Wurstplatte mit bestellten. Hartenberg ist unter anderem bekannt für seine Riesling-Weine, die uns Onalo offen oder im blind tasting präsentierte. Ich bin wirklich kein Riesling-Fan und würde eher Wasser trinken als einen Riesling. Die südafrikanische Variante überzeugte mich allerdings schon vor Jahren, zuerst in einem Restaurant in Mossel Bay und dann später immer wieder. Die Traube schmeckt hier komplett anders, hat nicht den hohen Säuregehalt wie man ihn von deutschen Rieslingen kennt und trägt vermutlich die südafrikanische Gelassenheit in sich, so angenehm zu trinken ist der. Und Hartenberg hat einige Ausbau-Varianten im Programm. Einige davon kann man sogar bis zu sieben Jahren und mehr lagern. Wer also je an einen Riesling aus Südafrika rankommt, möge ihn bitte probieren. Und gleich auch die zahlreichen Chardonnays, die ebenfalls sehr gut sind.





Das Weingut selbst wurde bereits 1692 gegründet und zählt damit zu den ältesten Weingütern Südafrikas. Natürlich gab es in der langen Geschichte des Gutes den einen oder anderen Besitzerwechsel. Auf eine über 350jährige Geschichte zurückzublicken ist schon eine Leistung an sich. Onalo erzählte uns, dass er eine neunmonatige Ausbildung in Stellenbosch gemacht habe und bei Hartenberg sein Praktikum absolvierte. Danach übernahm ihn das Weingut mit einem Zeitvertrag. Mittlerweile ist er fest angestellt und lebt und liebt seinen Job. Das merkt man ihm deutlich an. auf dem Weingut zu arbeiten macht sicherlich Spaß, nicht nur wegen der Weine sondern auch wegen der gut gepflegten Anlage. Man merkt deutlich, dass hier jemand mit einem Auge fürs Schöne unterwegs ist.
Inverroche Gin Destillerie
Der Besuch bei Inverroche war von langer Hand geplant. Zu Hause steht immer eine Flasche dieses sehr leckeren Gins im Schrank und langsam war es an der Zeit, den Ort zu erkunden, an dem dieser Gin hergestellt wird. Der Grund für den Aufenthalt in dem kleinen Örtchen Stilbaai war genau dieser: eine Führung durch die Destillerie von Inverroche Gin. Das ist aber eine Geschichte für sich ganz allein. Daher widme ich diesem Erlebnis einen eigenen Eintrag im Blog, der in Kürze folgt.

Herrlich, einige dieser Weingüter werden wir bei unserem nächsten Besuch unbedingt ansteuern nach einer so tollen Beschreibung. 🍷🍇
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Als Südafrika-Profis habt ihr ja auch schon einige Güter abgegrast und steht uns in nix nach 😆 freuen uns auf das nächste Tasting mit euch!
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