Katz’ Eisenbrunnen

Auf an die Westküste, genauer gesagt an ihren südlichsten Punkt. Den West Coast Nationalpark haben wir schon mehrmals besucht, allerdings den Ort an seinem südlichen Ende immer links liegen gelassen. Was ein Fehler war, wie sich schnell herausstellte. Aber fangen wir vorn an.

Ja, wir sind wieder zurück in Südafrika, 5 Wochen Jahresurlaub liegen vor uns und damit auch viele alt bekannte Orte, aber auch neue Erlebnisse. Dieses Mal reisen wir zusammen mit Familie, die auch nicht das erste Mal hier Urlaub macht. Und um nicht jeden Tag auf einem Weingut zu verbringen, entschlossen wir uns mal wieder an die Westküste gen Norden zu fahren – nach Yzerfontein.

Um den Titel der Geschichte schnell aufzulösen: übersetzt man den Namen Yzerfontein, kommt man auf die holländische Übersetzung von „Eisenbrunnen“. In den 1930er Jahren kaufte eine Familie namens Katz die Farm Yzerfontein. Aus der Farm entwickelte sich der kleine Ort, zu dem wir uns aufmachten. Sonne und Strand verleiteten uns zu einem Strandtag, den wir hier, 45 Minuten mit dem Auto von unserer Homebase Bloubergstrand entfernt verbringen wollten.

Gleich beim Überfahren des Ortseingangsschildes „Yzerfontein“ überfiel uns ein leichter Appetit auf ein zweites Frühstück. Tatsächlich haben wir schon am Abend vorher geplant, in eine – sagen wir mal – angesagte Backstube einzukehren. Bäckerhandwerk wird hier in der Rosemaed Artisan Bakery tatsächlich groß geschrieben. Vom Sauerteigbrot über Baquettes und Kuchen bis hin zu Pastéis de Natas backt man hier alles von Hand selbst. Und natürlich gibt es auch Kaffee und Tee in verschiedenen Sorten, man kann also aus dem Vollen schöpfen. Ist man allerdings so wie wir etwas später dran, muss man mit dem Vorlieb nehmen, was die übrigen hungrigen Menschen der Umgebung übrig gelassen haben. Allemal aber genug, um für den folgenden Strandspaziergang gerüstet zu sein. Eine Empfehlung ist diese Bäckerei allemal; das Sandwich war lecker, das Rührei auf Stulle ebenso und neben dem bestellten Kaffee gab’s obendrein noch einen Red Cappuccino, also einen Cappuccino aus Roibos-Tee statt Espresso.

Frisch gestärkt ging es nun zum Strand, der insgesamt 26 Kilometer lang sein soll. Ob das gutes Marketing ist oder tatsächlich zutrifft, konnten wir nicht überprüfen. Da aber so weit das Auge reicht sowohl gen Norden als auch gen Süden kein Strandende in Sicht kam, ließen wir uns von der gefühlten Weite des weißen Sandes überzeugen, denn fragen konnten wir auch niemanden. Entweder alle anderen genossen ihren sonntäglichen Mittagsschlaf oder der Ort war tatsächlich menschenleer. Kaum eine Seele ließ sich hier blicken, wir hatten den Strand fast für uns allein.

Und nun meint man, wenn man an Strand und Meer denkt: Kennste einen, kennste alle. Weit gefehlt. Die Strände hier in Südafrika sind sehr verschieden, jeder auf seine Weise schön und einzigartig. So auch der Strand in Yzerfontein, der gerade zu Zeiten von Ebbe, in der wir dort waren, die Meeresbewohner offenbart, die sonst im Wasser verborgen sind. Neben den klassischen Miesmuscheln, die fest mit dem Gestein verbunden sind oder die Napfschnecken, die sich nahezu unbesiegbar an den Felsen saugen, gibt es hier Unmengen von glitschigen Meeresbewohnern der besonderen Art. Im ersten Moment glaubt man, da hat ein Mädchen sein Zopfgummi verloren.

Beim genaueren Hinschauen begreift man, dass so viele Mädels nicht an einem Ort gewesen sein können. Nein, es liegen Tausende von Seeanemonen sauber sortiert eine neben der anderen aufgereiht und wie festgemacht am Felsen oder locker im Sand. Jetzt bei Ebbe sehen die Dinger nicht wirklich attraktiv aus, sie fühlen sich auch ganz weich und glibberig an, fast so wie Schleimi aus der Dose. Im Wasser blühen sie allerdings ganz schnell auf und entfalten ihre Anemonen-Schönheit. Davon konnten wir leider nicht so viele sehen. Aber dass sie bei der nächsten Flut zur vollen Pracht gelangen, ist schon beeindruckend; das letzte Bild hier lässt erahnen, wohin das führt..

Vorbei an zig Sandburgen, an denen der Wind bereits ganze Arbeit geleistet hatte, erreichten wir nach geraumer Zeit unser völlig überheiztes Auto – immerhin hatten wir volle Sonne bei 27 Grad im Schatten. Jetzt fix einen Abstecher zum kleinen Hafen und dann ab zum Strand im südlichen Teil des Ortes. Kamen wir grad von der alten und ursprünglichen Seite von Yzerfontein, landeten wir jetzt im neuen Teil des Ortes. Die Strandstraße ist hier gesäumt von zumeist neuen Häusern – wir würden sagen Villen – in einem ziemlich modernen Baustil. Die versperrten nicht nur die Sicht auf den grandiosen Strand sondern auch den Zugang zum selbigen. Man hat das Gefühl, hier wollen die Anwohner die Intimität und die Ruhe “ihres” Strandes bewahren. Tatsächlich gibt es an der einen oder anderen Stelle versteckt ein paar Strandaufgänge. Für Tagesausflügler ist der Strand im Norden der Stadt jedenfalls einfacher zu erobern.

Was blieb uns also anderes, als nach einem kleinen Café mit Meerblick zu suchen. Zufällig hielten wir gerade vor einem. Bei “Rust In Thyme” saßen wir auf der Terrasse mit Blick auf den Ozean, tranken den mit Wasser verlängerten Americano und aßen Kuchen und Eis, fast so, als hätten wir es geplant. Da nicht mehr allzu viel Zeit für den letzten Reisepunkt blieb, brachen wir mit einem sehr freundlichen „Goodbye“ der Gastgeberinnen auf zum Weskus Padstal an der Straße zurück nach Bloubergstrand.

Denn hier wartete das Finale des Ausflugs auf uns. Die Gastgeber unserer Familie empfahlen ein Gin-Tasting bei Wright‘s Gin. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und so kehrten wir bei Lovemore und seiner Frau in der Destillerie ein. Mit ganz viel Herzblut und interessanten Informationen erklärte Lovemore uns seine Gin-Geschichten, ließ uns einen Gin nach dem anderen probieren und führte uns danach durch seine kleine Produktionsstätte. Alles Handarbeit bis hin zu den Etikett. Man merkt ihm sein ganz persönliches Engagement an und er hat ein Ziel vor den Augen: irgendwann eine Destillerie in seiner Heimat Simbabwe zu eröffnen. Mehr zu Wright’s Gin erfahrt ihr in meinem Gin-Spezial, denn es steht ja auch noch der Bericht über den Besuch von Inverroche in Stilbaai aus dem letzten Jahr aus.

Resümee für den heutigen Tag: Yzerfontein ist einen Besuch wert, sicher auch ein zweites Mal. Der Strand macht Lust auf einen längeren Aufenthalt. An Essen und Trinken mangelt es nicht. Und selbst der Padstal an der Zufahrtsstraße zum Ort verdient einen weiteren Besuch. Denn neben Gin gibt es natürlich ein Restaurant, man kann leckere Sachen einkaufen und für Kinder gibt es Spielplätze und einen Streichelzoo.

Externe Links:
Tripadvisor: Rosemead Artisan Bakery
Tripadvisor: Rust In Thyme Cafe
Weskus Padstal
Wright’s Gin


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